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Leitartikel - Was hat der amerikanische
Automobil-Magnat Henry Ford mit dem deutschen Großschriftsteller
Günter Grass zu tun? Lesen Sie als Einführung zur Geschichte-Seite
den Leitartikel.
1918 (9. November) Ausrufung der Republik:
am Tag der Abdankung Kaiser Wilhelms II. ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann
in Berlin die "Deutsche Republik" aus; die 1916 als Abspaltung von
der SPD entstandenen kommunistischen "Spartakisten" Karl Liebknechts
versucht durch eine zweite Republik-Verkündung, den Zusammenbruch der Monarchie
für die Eröffnung der Revolution auszunutzen
Die Frauenrechtlerin Rosa Luxemburg wurde, zusammen mit ihrem kommunistischen
Genossen Karl Liebknecht, 1919 in den Wirren der Reublik-Gründung verhaftet
und getötet.
Friedrich Ebert, Kanzler der Übergangszeit von der Monarchie zur Republik,
dann bis zu seinem Tode 1925 erster Reichspräsident
General Erich Ludendorff, neben Feldmarschall Hindenburg wichtigster Heeresführer
des 1. Weltkrieges, war während der Zeit der Weimarer Republik an mehreren
Attacken von rechts gegen das verhaßte System beteiligt
Eine andere ständige Bedrohung für den Bestand der Weimarer Republik:
die kommunistische Partei (KPD) mit ihrem Anführer Ernst Thälmann
Außenminister Walther Rathenau, verantwortlich für den Rapallo-Vertrag,
wurde 1922 von rechten Republik-Gegnern ermordet
1918 (11. November) Besiegelung des Waffenstillstands an allen Fronten - der
Krieg ist beendet
1918 (Dezember) der neue Reichskanzler Friedrich Ebert (SPD) läßt
die Arbeiter- und Soldatenaufstände in Berlin durch Truppen der Reichswehr
gewaltsam beenden; bei weiteren revolutionären Unruhen im Januar 1919 werden
die Spartakusbund-Führer Liebknecht und Rosa Luxemburg von Freikorps-Offizieren
verhaftet und in der Gefangenschaft getötet
1919 (Januar) Wahl zur Nationalversammlung, erstmals in der deutschen Geschichte
unter Beteiligung der Frauen: die SPD wird stärkste Partei und kann zusammen
mit dem katholischen Zentrum und der linksliberalen Deutschen Demokratischen
Partei (DDP) die Regierung bilden
1919 (Februar) Wahl Friedrich Eberts zum ersten Reichspräsidenten
1919 (22. Juni) in Weimar beschließt die Nationalversammlung die neue
Verfassung - daher der Name "Weimarer Republik"
1919 (28. Juni) "Versailler Friedensvertrag":
angesichts der Drohung der Alliierten, den Krieg erneut zu eröffnen und
nach Deutschland einzumarschieren, sieht die SPD-Regierung sich gezwungen, das
von den Siegern allein ausgehandelte und den Deutschen ohne Mitspracherecht
diktierte Vertragswerk zu unterzeichnen;
die erpreßte Annahme des Versailler Diktats belastet die Republik und
ihre Akzeptanz in der Bevölkerung von Anfang an schwer; die Hauptbestimmungen
lauten:
1. der Kaiser sowie mehrere Generäle und Politiker sollen als "Kriegsverbrecher"
ausgeliefert werden
2. Deutschland muß rund 70.000 km² Territorium abtreten, hauptsächlich
an Polen, Frankreich und Belgien
3. die deutsche Stadt Danzig wird unter Völkerbundsmandat gestellt und
damit polnischem Einfluß ausgeliefert
4. alle deutschen Kolonien müssen an die Siegermächte abgegeben werden
5. sämtliches Kriegsmaterial ist an die Alliierten auszuliefern
6. die künftige deutsche Armee bleibt auf ein Berufsheer von 100.000 Mann
beschränkt
7. alle alliierten Kriegsgefangenen müssen von Deutschland sofort freigelassen
werden, während die deutschen Gefangenen erst später heimkehren dürfen
8. große Teile des deutschen Rheinlandes sollten auf unbestimmte Zeit
von französischen und englischen Truppen besetzt bleiben
9. Deutschland (und seinen Verbündeten) wird die alleinige Kriegsschuld
zugewiesen, mit der Konsequenz, das es Reparationszahlungen in Höhe von
269 Milliarden Goldmark in 42 Jahresraten zu zahlen haben würde (1921 revidiert:
132 Mrd.)
10. Österreich muß Südtirol an Italien abtreten und darf sich
nicht mehr an das Deutsche Reich anschließen; die Donaumonarchie wird
zerstückelt und in autonome Kleinstaaten aufgelöst
1920 Kapp-Putsch: unter der Führung des ostpreußischen Politikers
Kapp bildet eine Gruppe aus Reichswehroffizieren und Freikorps-Angehörigen
in Berlin eine Gegenregierung; obwohl Heeresleiter General von Seeckt nicht
eingreift, bricht der Putsch nach wenigen Tagen unter einem Generalstreik der
Gewerkschaften und Beamten zusammen.
1921 eine Volksabstimmung ergibt, daß die Mehrheit der Bevölkerung
Oberschlesiens bei Deutschland bleiben will; trotzdem wird das Gebiet geteilt
und wichtige Industrieregionen mit 400.000 deutschen Einwohnern dem neuen polnischen
Staat zugeschlagen
1922 Abschluß des "Rapallo-Vertrags" zwischen Deutschland und
Sowjetrußland: Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen, Handelsabkommen,
gegenseitiger Verzicht auf Kriegsentschädigungen
1922/23 Wirtschaftskrise und Hyper-Inflation in Deutschland (Stand 15.11.1923:
1 US-Dollar = 4200 Milliarden Mark); die Alliierten verlangen die im Versailler
Diktat festgesetzten Reparationen, Deutschland ist außerstande, sie zu
erbringen
1923 (Januar) Einmarsch französischer und belgischer Truppen in das Ruhrgebiet,
um gewaltsam deutsche Reparationsleistungen in 'Naturalien' (Rohstoffe, Industrieprodukte)
einzutreiben; Reichskanzler Cuno fordert das Volk zu passivem Widerstand auf,
England und die USA protestieren gegen das Vorgehen Frankreichs, dennoch dauert
die Besatzung bis 1925 an
1923 (September) Reichskanzler Gustav Stresemann bricht den passiven Widerstand
gegen die Ruhrbesetzung ab und verhängt den Ausnahmezustand; die linksradikalen
Regierungen Sachsens und Thüringens sowie das monarchistische Bayern erkennen
die Beschlüsse der Berliner Reichsregierung nicht an, General von Seeckt
zerschlägt mit der Reichswehr die kommunistischen Aufstände
1923 (November) "Hitler-Putsch":
mit der Unterstützung von Teilen der bayerischen Landesregierung und des
ehemaligen Generals und Kriegshelden Ludendorff versucht Adolf Hitler, Führer
der 1920 gegründeten Nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NSDAP),
von Bayern aus die Macht in Deutschland zu übernehmen; das Unternehmen
bricht zusammen, weil von Seeckt erstmalig die Reichswehr gegen einen Putschversuch
von rechts einsetzt und Hitlers "Marsch auf die Feldherrnhalle" niederschießen
läßt;
Hitler wird zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er als
ehemaliger Soldat ein Jahr in Festungshaft absitzen muß - er nutzt die
Zeit und schreibt in der Gefangenschaft sein politisches Programm nieder: "Mein
Kampf"
Adolf Hitler mit General Ludendorff vor Beginn des Prozesses gegen die Rädelsführer
des Münchner Putschversuchs von 1923
Gustav Stresemann, die herausragende politische Gestalt in den verhältnismäßig
ruhigen Jahren von 1923 bis 1929
Der 'Notverordnungs-Kanzler' Heinrich Brüning (Zentrumspartei)
1925 Tod Friedrich Ebert und Wahl des 78-jährigen Generalfeldmarschalls
a.D. Paul von Hindenburg zum neuen Reichspräsidenten (als Kandidat der
konservativen und rechten Parteien)
1926 Außenminister Stresemann schließt im schweizerischen Locarno
mit den Siegermächten einen Vertrag über die Unverletzlichkeit der
bestehenden Westgrenzen, erreicht aber immer noch keine Räumung des Rheinlandes
von fremden Truppen; die rechte Opposition läuft Sturm gegen diese Preisgabe
deutscher Gebietsansprüche
1928 erster bemerkenswerter Wahlerfolg der NSDAP: die Partei erzielt 2,6% und
zieht mit 12 Abgeordneten in den Reichstag ein
1929 der "schwarze Freitag" und die darauffolgende Wirtschaftskrise
treffen auch Deutschland schwer: viele Firmen und Banken brechen zusammen, die
Arbeitslosigkeit steigt von 1,6 Millionen bis 1931 auf 4,3 Millionen, bis Anfang
1933 auf über 6 Millionen an;
mit der Annahme des "Young-Plans" durch Stresemann werden die deutschen
Reparationen auf 115 Mrd. Mark 59 Jahresraten festgelegt, im Gegenzug soll das
Rheinland bis 1930 von den Alliierten freigegeben werden
1929 (Oktober) Tod Gustav Stresemanns
1930 (März) Präsident von Hindenburg ernennt auf Grund seiner herausragenden
verfassungsmäßigen Stellung den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning
zum Reichskanzler, ob wohl dieser sich nicht auf eine Mehrheit im Parlament
stützen kann; Brüning regiert mit Hindenburgs präsidialer Macht
im Rücken, das Parlament jederzeit auflösen zu können, durch
Notverordnungen, d.h. ohne bzw. gegen den Reichstag
1930 (September) bei der Reichstagswahl wächst die Zahl der NSDAP-Abgeordneten
von 12 auf 107 (18,3%) an, die der Kommunisten von 54 auf 77 (13,1%) - noch
haben die demokratischen Parteien zusammen eine überwältigende Mehrheit
im Volk; ungeachtet des Wahlausgangs läßt Hindenburg den Kanzler
Brüning weiter regieren
1932 (April) Paul von Hindenburg wird als Reichspräsident für weitere
7 Jahre wiedergewählt, diesmal als Kandidat der SPD und der demokratischen
Parteien gegen Hitler, den Kandidaten der deutschnationalen Parteien, und den
kommunistischen Anwärter Ernst Thälmann
1932 (Mai) nach einer Vertrauenskrise wird Brüning vom Reichspräsidenten
entlassen und der rechtskonservative Zentrums-Abgeordnete Franz von Papen mit
dem Amt des Reichskanzlers betraut
Franz von Papen sollte im "Kriegsverbrecher-Prozeß" 1945/46 als einer der Hauptangeklagten verurteilt werden, weil er Hitler mit zur Macht verholfen hatte, wurde aber freigesprochen.
General Kurt von Schleicher, ein enger Vertrauter Hindenburgs und als Reichskanzler
der letzte Versuch, Adolf Hitler von der Macht fernzuhalten
30. Januar 1933: Siegesfeier nach der "Machtergreifung"
Reichstagsbrand
Polizei- und SS-Führer Heinrich Himmler
links: Selbstinszenierung Hitlers und Propaganda-Auftritte mit dem "Marschall
des Volkes" Hindenburg nach der Machtergreifung
1932 (Juli bis November) die Reichstagswahl bringt das bislang höchste
Ergebnis für Hitlers NSDAP, die zur stärksten Partei wird: 230 Abgeordnete
(37,8%) - Hermann Göring als Vertreter der größten Fraktion
wird Parlamentspräsident;
Hitler fordert von Hindenburg den Regierungsauftrag, wird aber schroff abgewiesen;
von Papen regiert weiter, doch erleidet er im September eine verheerende Niederlage
in einer Vertrauensabstimmung, woraufhin der Präsident den Reichstag sofort
auflöst, damit von Papen im Amt bleiben kann;
von Papen versucht Hindenburg zu überreden, überhaupt nicht mehr neu
wählen zu lassen, doch der Präsident lehnt den Verfassungsbruch ab;
bei der Neuwahl im November verliert Hitler 4 Millionen Stimmen, die NSDAP bleibt
dennoch stärkste Partei mit 196 Abgeordneten (33,1%)
1932 (Dezember) nach dem endgültigen Scheitern von Papens ernennt Hindenburg
den parteilosen General Kurt von Schleicher zum Reichskanzler, der das Ziel
verfolgt, den Nationalsozialisten durch ein massenhaftes Arbeitsbeschaffungsprogramm
den Wind aus den Segeln zu nehmen oder sie zu spalten
1933 (30. Januar) Hitlers "Machterfreifung":
nachdem Hindenburg sich durch Franz von Papen und andere von der 'Gefährlichkeit'
der Pläne Schleichers hat überzeugen lassen, verweigert er seinem
Kanzler eine erneute Reichstags-Auflösung und entscheidet sich für
die scheinbar letzte noch verbliebene Möglichkeit einer stabilen Regierungsbildung
- er beruft ` Adolf Hitler zum Reichskanzler;
Hitler bildet mit Franz von Papen als Vizekanzler ein Kabinett der "nationalen
Einigung", dem zunächst außer dem Kanzler selber nur zwei Nationalsozialisten,
Hermann Göring und Wilhelm Frick, außerdem mehrere Minister von der
Deutsch-Nationalen Volkspartei (DNVP) und Parteilose angehören;
verabredungsgemäß löst der Reichspräsident das Parlament
auf, um einige von Hitler gewünschte Notverordnungen über die Gleichschaltung
der Länder mit dem Reich zu erlassen und den Weg für Neuwahlen freizumachen
1933 (Februar) eine Woche vor der Parlamentswahl setzt der niederländische
Anarchist Marinus van der Lubbe das Berliner Reichstagsgebäude in Brand,
beschwört damit Befürchtungen weiterer kommunistischer Aufstandsversuche
herauf und gibt Hitler die Gelegenheit zu Maßregeln gegen die Oppositionsparteien
1933 (5. März) in der letzten freien Wahl bis 1949 erreicht die NSDAP wiederum
keine absolute Mehrheit, sondern ist mit ihren 43,9% auf die 8% der Stimmen
für die DNVP angewiesen
1933 (20. März) nahe Dachau läßt der SS-Führer und bayerische
Polizeichef Himmler das erste "Konzentrationslager" einrichten, ein
Freiluftgefängnis, das zunächst hauptsächlich für die vielen
bereits verhafteten und noch festzunehmenden Kommunisten und Sozialdemokraten
bestimmt war
1933 (23. März) der Reichstag verabschiedet geschlossen, mit Ausnahme der
94 anwesenden SPD-Abgeordneten, das "Ermächtigungsgesetz", mit
dem sich das Parlament selbst entmachtet und der Regierung Hitler Gesetzgebungsvollmacht
erteilt
seit Mai 1933 Liquidation sämtlicher Parteien außer der NSDAP: KPD
und SPD werden verboten, die übrigen lösen sich - teilweise unter
Zwang - selbst auf, die Neugründung von Parteien wird als "hochverräterisch"
verboten; die Gewerkschaften werden zur "Deutschen Arbeitsfront" (DAF)
zusammengefaßt (1934); der 1. Mai wird als "Tag der nationalen Arbeit"
gesetzlicher Feiertag, womit Hitler eine langjährige Forderung der politischen
Linken erfüllt
1933 (Dezember) die NSDAP wird per Gesetz zur Staatspartei mit amtlichen Funktionen
erklärt
1934 (Juni/Juli) der "Röhm-Putsch":
um einem möglicherweise geplanten Putsch des sozialrevolutionären
'linken' Flügels der NSDAP unter Führung des SA-Chefs Ernst Röhm
zuvorzukommen und um die führenden Reichswehr-Generäle hinsichtlich
der Gefahr zu beruhigen, die vom Millionenheer bewaffneter SA-Männer ausgeht,
läßt Hitler den Anführer Ernst Röhm, mehrere hundert weiterer
SA-Mitglieder sowie einige andere politische Gegner verhaften und hinrichten;
zu den Opfern gehören auch General von Schleicher und Hitlers Putschkamerad
von 1923, der ehemalige bayerische Ministerpräsident Gustav von Kahr;
Reichswehr-Minister von Blomberg zeigt sich befriedigt darüber, daß
die SA durch den Verlust ihrer wichtigsten Führer gezähmt ist und
keine Rolle mehr spielen wird
SA-Führer Ernst Röhm
Der Weltkriegs-Heros und spätere Reichspräsident Paul von Hindenburg
(1847 - 1934)
Einweihung des ersten fertiggestellten Autobahn-Teilstücks durch den "Führer"
1934 (August) Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg; Hitler übernimmt
das Präsidentenamt zusätzlich und läßt sich in seiner Doppelfunktion
als "Führer und Reichskanzler" titulieren
1935 (Januar) das Saarland, seit dem Versailler Diktat unter französischer
Verwaltung, kehrt zu Deutschland zurück, nachdem sich in einer Volksabstimmung
über 90% der Saarländer dafür ausgesprochen haben
1935 (März) Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (gegen das Verbot
des Friedensvertrags von 1919)
1935 (Mai) das erste fertiggestellte Teilstück der seit den 20er Jahren
geplanten Reichsautobahn wird für den Verkehr eröffnet (Frankfurt
- Darmstadt)
1935 (Juni) Umbenennung der Reichswehr in "Wehrmacht"
1935 (September) auf dem Reichsparteitag wird beschlossen, die schwarz-rot-goldene
Flagge der Republik durch die kaiserlichen Farben schwarz-weiß-rot (mit
Hakenkreuz) zu ersetzen;
das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre"
(Nürnberger Rassegesetz) verbietet Eheschließungen und sexuellen
Verkehr zwischen Juden und Nichtjuden; das "Reichsbürger-Gesetz"
schreibt einen "Arier-Nachweis" für staatliche Bedienstete vor
und schließt die Juden von allen öffentlichen Stellungen und von
der deutschen Staatsbürgerschaft aus
1936 (Februar) bei einer Automobilausstellung verkündet Hitler seinen Willen,
einen "Volkswagen" bauen zu lassen
1936 (März) Hitler kündigt den Locarno-Vertrag und läßt
die Wehrmacht in das seit 1919 entmilitarisierte Rheinland einrücken; Völkerbund
und Siegermächte protestieren, wagen es aber nicht, Sanktionen gegen Deutschland
zu verhängen
1936 (August) die Olympische Spiele in Berlin, von Adolf Hitler eröffnet,
tragen dem "neuen Deutschland" internationales Prestige ein
Die Reichswehr nimmt das Saarland wieder für Deutschland in Besitz
Opern-Liebhaber Hitler zu Besuch in Bayreuth bei Winifred Wagner, der Schwiegertochter
des Komponisten (1936)
Der italienische Staatschef Benito Mussolini auf Staatsbesuch in Berlin
feierliche Vorstellung der ersten "Volkswagen"-Autos
brennende Synagoge in Berlin
1936 (November) "Antikommintern-Pakt": deutsch-japanisches Bündnis
gegen die kommunistische Internationale
1937 (10. Januar) nach München-Salzburg und anderen Teilstrecken wird nun
auch der wichtige Autobahnabschnitt Berlin-Hannover für den Verkehr freigegeben;
durch Großprojekte wie den Autobahnbau und die Wiederaufrüstung ist
die Arbeitslosigkeit praktisch auf Null gesunken
1937 (30. Januar) Hitler will diejenigen Minister, die noch nicht Parteimitglieder
sind, in die NSDAP aufnehmen; Post- und Verkehrsminister Rübenbach bekundet,
er habe nicht die Absicht, in die Partei einzutreten
1937 (5. Mai) Stapellauf des Kreuzfahrtschiffs "Wilhelm Gustloff",
das die Organisation "Kraft durch Freude" (die Freizeit-Abteilung
der Deutschen Arbeitsfront, siehe oben) hat bauen lassen, um einfachen Arbeitern
und Angestellten Schiffsreisen zu ermöglichen
1937 (18. Mai) Himmler als Polizeichef verbietet per Erlaß, im betrunkenen
Zustand Auto zu fahren; darüberhinaus ist es Parteimitgliedern (aber nur
diesen!) verboten, schneller als 100 km/h zu fahren - damit sollen Benzin und
Reifen gespart werden
1937 (September) Staatsbesuch des italienischen Regierungschefs Mussolini in
Deutschland; seit 1935 bestehen intensivere politische Beziehungen zwischen
dem deutschen Diktator und seinem faschistischen Vorbild; beiden unterstützen
1936 im spanischen Bürgerkrieg den Putsch-General Francisco Franco, der
Spanien bis 1975 diktatorisch regieren wird
1938 (Januar) unter dem Vorwand einer "unstandesgemäßen"
Eheschließung Blombergs entläßt Hitler seinen Reichswehr-Minister
und übernimmt selber das Oberkommando der Wehrmacht
1938 (März) Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich:
um zu verhindern, daß der österreichische Kanzler Schuschnigg die
Eigenstaatlichkeit des Landes durch eine Volksbefragung zementiert, richtet
sein Innenminister Seyß-Inquart ein Telegramm an Hitler, in dem er um
die Entsendung deutscher Truppen bittet;
am 21. März marschieren deutsche Soldaten unter dem Jubel der Bevölkerung
in Österreich ein; Seyß-Inquart bildet eine nationalsozialistische
Regierung und vollzieht den Anschluß an Deutschland; Hitler, selber Österreicher,
läßt sich die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten nachträglich
durch Volksabstimmungen in Österreich und Deutschland absegnen (über
90% Zustimmung)
1938 (Mai) Gründung des Volkswagen-Automobilwerks in Wolfsburg; DAF-Führer
Robert Ley ruft die Bevölkerung zu einer Sparaktion auf, die es jeder deutschen
Familie ermöglichen soll, einen "KdF-Wagen" (VW-Käfer) zum
Preis von 990 Reichsmark zu kaufen
1938 (September) nach mehreren Treffen Hitlers mit den Ministerpräsidenten
Englands und Frankreichs, Chamberlain und Daladier, und Mussolini kommt es zum
"Münchner Abkommen": die Westalliierten gestehen Hitler zu, im
Oktober in die Tschechoslowakei einzumarschieren, um das überwiegend von
Deutschen bewohnte Sudetenland in Besitz zu nehmen
1938 (1. Oktober) die Wehrmacht rückt in das Sudetenland ein, Hitler wird
von Konrad Henlein, dem Chef der sudetendeutschen Partei, in Eger als "Befreier"
begrüßt, nachdem die deutsche Minderheit im tschechischen Staat jahrelang
benachteiligt und drangsaliert worden ist
1938 (5. Oktober) Ausgabe neuer Pässe an alle Juden, in die auf Begehren
der schweizerischen Regierung ein großes "J" eingestempelt ist,
damit Auswanderungswillige an der Grenze leichter erkannt werden können
1938 (November) "Reichskristallnacht":
ein polnischer Jude erschießt in Paris den deutschen Botschaftssekretär
Ernst von Rath, um auf die unheilvolle Situation der Juden in Deutschland und
Polen aufmerksam zu machen;
Propagandaminister Joseph Goebbels nutzt den Vorfall, indem er SA-Leute und
Parteimitglieder planmäßig Gewalttaten gegen Juden und jüdische
Einrichtungen verüben läßt: Synagogen werden in Brand gesetzt,
jüdische Geschäfte geplündert und zerstört, jüdische
Bürger verprügelt und ermordet, über 20.000 verhaftet und in
Konzentrationslager gesteckt;
die Geschädigten werden, soweit versichert, zunächst für materielle
Verluste entschädigt, dann aber zur Zahlung einer kollektiven "Strafe"
in Höhe von 1 Milliarde Mark verpflichtet; im Gefolge der Ausschreitungen
werden die als "Untermenschen" diffamierten Juden mehr und mehr aus
der Wirtschaft, dem Kulturleben und der Wissenschaft herausgedrängt
1939 (Januar) Ungarn schließt sich dem antikommunistischen Pakt Deutschlands,
Italiens und Japans an
1939 (14./15. März) die "Zerschlagung der Rest-Tschechei":
am 14. März erklärt die Slowakei ihre Unabhängigkeit von der
Tschechei; dadurch geschwächt und von Hitler im persönlichen Gespräch
unter Druck gesetzt, unterschreibt der tschechische Präsident Hacha einen
Vertrag über die Schaffung des "Reichsprotektorats Böhmen und
Mähren"; deutsche Truppen nehmen die Tschechei in Besitz, der slowakische
Diktator Tiso stellt sein Land "unter den Schutz des Reiches"
Der Reichsmarschall und Chef der Luftwaffe Hermann Göring, nach Hitler
der zweitmächtigste Mann im Dritten Reich
Joachim von Ribbentrop mit Josef Stalin in Moskau
1939 (23. März) durch ein Abkommen mit Litauen gewinnt Deutschland das
im ersten Weltkrieg verlorene Memelgebiet zurück
1939 (26. März) der Nichtangriffsvertrag mit Polen wird von deutscher Seite
gekündigt
1939 (31. März) Premierminister Chamberlain, empört über die
deutsche Verletzung des Münchner Abkommens, beendet seine Appeasement-Politik
gegenüber Hitler und gibt der polnischen Regierung eine Garantieerklärung
ab für den Fall, daß Polen von Deutschland angegriffen werden sollte;
Frankreich schließt sich dieser Erklärung an
1939 (August) "Hitler-Stalin-Pakt":
der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop und sein sowjetischer
Amtskollege Molotow unterzeichnen, für alle Welt überraschend, einen
Nichtangriffvertrag; in geheimen Zusätzen wird die künftige Aufteilung
Polens zwischen Deutschland und der Sowjetunion besiegelt
1939 (1. September) Beginn des zweiten Weltkrieges:
nach einem Zwischenfall in der "Freien Stadt" Danzig gibt Hitler der
Wehrmacht den Angriffsbefehl; deutsche Truppen überschreiten am frühen
Morgen die polnische Grenze und eröffnen das Feuer; darauf erklären
England und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg; der Großteil der
polnischen Armee ergibt sich binnen 2½ Wochen, Warschau kapituliert nach
dreitägiger, von Hitler hämisch beobachteter Bombardierung am 27.
September;
die 1919 an Polen verlorenen Gebiete werden in das Reichsgebiet eingegliedert,
im übrigen deutsch besetzten Polen wird ein "Generalgouvernement"
errichtet; seit dem 17. September ist die Rote Armee in Ostpolen einmarschiert,
das wie die baltischen Länder von Stalin vereinnahmt wird; Ende November
greifen russische Truppen Finnland an ("Winterkrieg")
1939 (November) Georg Elser, ein Einzeltäter, verübt am 8. Oktober
im Münchner Bürgerbräukeller ein Attentat auf Hitler; der "Führer"
entgeht dem Anschlag, weil er das Lokal vorzeitig verlassen hat
1940 (9. April) um einem Festsetzen der Briten an der norwegischen Küste
zuvorzukommen und die von der deutschen Rüstungsindustrie benötigten
Erzlieferungen aus Schweden zu sichern, besetzen deutsche Soldaten im Handstreich
Dänemark und Norwegen; Dänemark ergibt sich kampflos und behält
seine eigene Regierung, die norwegische Regierung flieht nach London und wird
durch einen deutschen "Reichskommissar" ersetzt, der mit dem Anführer
der norwegen Faschisten-Partei zusammenarbeitet
1940 (10. Mai) Beginn des Angriffs im Westen: unter Verletzung der Neutralität
beider Länder marschieren deutsche Truppen durch die Niederlande und Belgien
(Kapitulation am 15. bzw. 28. Mai), um zur französischen Ärmelkanal-Küste
vorzustoßen und Dünkirchen einzunehmen, wo sich mehrere hunderttausend
britische Expeditionssoldaten aufhalten;
im zweiten Abschnitt des Frankreich-Feldzuges wird die einst so gefürchtete
"Maginot-Linie" von hinten aufgerollt, indem die deutschen Panzer
vom Norden und Westen her auf Paris zurollen, das 14. Juni nahezu kampflos besetzt
wird; der greise französische Marschall Pétain bittet um Waffenstillstand,
der größte Teil Frankreichs wird von der Wehrmacht besetzt, für
den unbesetzten Teil bildet Pétain eine Regierung von Hitlers Gnaden
mit Sitz in Vichy;
nachdem Polen, Westskandinavien und Frankreich erobert sind, Schweden und die
Schweiz Neutralität wahren und die meisten Länder Süd- und Südosteuropas
mit Hitler verbündet sind, befindet sich allein noch Großbritannien
im Krieg mit dem Deutschen Reich; Hitler steht im Zenit des Erfolgs und wähnt
sich als genialer Feldherr
Die deutsche Wehrmacht in Paris
Feldmarschall Erwin Rommel, der Kommandeur des deutschen Afrika-Korps
Rudolf Heß, bis zu seinem rätselhaften Flug nach Schottland Hitlers
Stellvertreter als "Führer"
1940 (Juli) Beginn des Luftkriegs gegen England unter der Leitung des Luftwaffenchefs
und Reichsmarschalls Hermann Göring; ein Friedens- und Verhandlungsangebot
Hitlers lehnt die englische Regierung am 22. Juli ab, und so werden die Luftangriffe
zunächst verschärft mit dem Ziel, eine Landung deutscher Truppen in
Großbritannien vorzubereiten; wegen zu hoher Verluste wird das Landungsunternehmen
aber schon im September aufgegeben; es gelingt den deutschen Fliegern nicht,
die Lufthoheit zu gewinnen;
der neue britische Premierminister Winston Churchill wird zu Hitlers erbittertstem
und letztlich unbesiegbaren Gegner
1941 (März/April) Ausweitung des Krieges durch Angriff deutscher Truppen
auf Jugoslawien und Landung in Libyen, nachdem Mussolini schon im Oktober 1940
gegen Griechenland losgeschlagen hat
1941 (Mai) Rudolf Heß, als Hitlers Stellvertreter und neben Göring
designierter Nachfolger des "Führers" der dritte Mann im nationalsozialistischen
Staat, fliegt allein und sehr wahrscheinlich ohne Wissen Hitlers nach Großbritannien;
bis heute ist nicht geklärt, was seine Absichten waren und wer in Deutschland
darin eingeweiht war; Heß wird bis Kriegsende eingesperrt
1941 (22. Juni) "Unternehmen Barbarossa":
deutscher Überraschungsangriff auf die Sowjetunion; Anfang September wird
Leningrad eingeschlossen, Ende des Monats Kiew erobert und eine Großoffensive
gegen Moskau begonnen, die aber bald zuerst im Schlamm, dann in der extremen
Kälte des einsetzenden Winters steckenbleibt; Sinn des Rußlandfeldzugs
sollte es sein, die Sowjetunion als möglichen Bündnispartner Englands
auszuschalten;
der Diktator Stalin ruft das sowjetische Volk zum "großen vaterländischen
Krieg" auf, und bereits ab November erfolgen Gegenoffensiven der Roten
Armee an mehreren Frontabschnitten;
das Kriegsgeschehen in Rußland ist besonders grausam, indem es sich vielfach
auch gegen die Zivilbevölkerung richtet, und erstmals finden Massendeportationen
polnischer und russischer Juden und Vergasungen in den deutschen Konzentrationslagern
im Generalgouvernement Polen statt; seit dem 1. September müssen die Juden
in Deutschland und den besetzten Gebieten einen gelben "Judenstern"
tragen
1941 (7. Dezember) Angriff japanischer Kampfflugzeuge auf den US-amerikanischen
Militärhafen Pearl Harbor auf Hawaii; die USA und Großbritannien
erklären Japan den Krieg;
dem Geist der Bündnisverträge mit Japan folgend, erklären ihrerseits
Deutschland und Italien den USA den Krieg (11. Dezember) - der große,
von Hitler entfesselte europäische Krieg ist zum zweiten "Weltkrieg"
geworden
Reinhard Heydrich
General Paulus geht nach der Schlacht von Stalingrad in die Gefangenschaft
Propagandaminister Joseph Goebbels
1942 (Januar) die Berliner "Wannsee-Konferenz":
vor SS-Gruppenführern und Vertretern verschiedener Ministerien erläutert
Reinhard Heydrich, die 'rechte Hand' des SS-Führers Heinrich Himmler, seinen
Plan zur sogenannten "Endlösung der Judenfrage": alle Länder
im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich sollten systematisch von den Juden
"gesäubert", diese nun nicht mehr wie ursrünglich geplant
nach Madagaskar, sondern nach Osteuropa deportiert, dort in Ghettos und Lagern
"konzentriert" und zunächst als Arbeitskräfte ausgebeutet,
letztendlich aber getötet werden; es gibt keinen direkten Beweis für
einen Befehl von "oben", doch ist mit Sicherheit davon auszugehen,
daß die Anweisung zur Ausrottung der Juden über Hermann Göring
auf Hitler persönlich zurückzuführen ist, da Heydrichs Pläne
den von Hitler in "Mein Kampf" geäußerten Absichten vollkommen
entsprechen; um den beabsichtigten Völkermord weitestmöglich vor der
deutschen Bevölkerung zu verheimlichen, werden alle regelrechten Vernichtungslager
(Auschwitz, Treblinka, Majdanek, Sobibor, Belzec) im Süden und Osten Polens
angelegt und von speziell ausgewählten SS-Einheiten geführt
1942 (27. Mai) Ermordung von Reinhard Heydrich, der neben seiner SS-Funktion
auch stellvertretender Reichsprotektor von Böhmen und Mähren ist,
durch einen tschechischen Nationalisten; es folgen Racheaktionen der SS
1942 (30. Mai) erster großer Bombenangriff der britischen Luftwaffe auf
eine deutsche Stadt; betroffen ist Köln, fast alle großen deutschen
Städte werden in den nächsten drei Kriegsjahren folgen
1942 (Oktober) die Schlacht um die südrussische Stadt Stalingrad, die Hitler
um jeden erobert und gehalten sehen will, wird zum Symbol für die Wende
des Krieges: nach zunächst erfolgreichem Angriff werden die deutschen und
verbündeten rumänischen Verbände unter General Paulus von Stalins
Truppen eingeschlossen und müssen sich, zwei Monate lang bei eisigem Winter
unter riesigen Verlusten verzweifelt auf Unterstützung wartend, Anfang
Februar 1943 hungernd und völlig erschöpft ergeben; 90.000 Soldaten
gehen in russische Gefangenschaft, nur 6.000 von ihnen werden bis 1955 nach
und nach zurückkehren; deutsche Truppen befinden sich seither fast überall
in Rußland auf dem Rückzug
1943 (18. Februar) Joseph Goebbels hält im Berliner Sportpalast seine berüchtigte
Rede vom "totalen Krieg"
1943 (19./22. Februar) die Geschwister Scholl und andere Mitglieder der Münchner
Studenten-Widerstandsgruppe "Weiße Rose" werden verhaftet und
hingerichtet
1943 (März) Kapitulation des deutschen Afrika-Korps, das Hitler unter dem
Befehl des Feldmarschalls Rommel zur Verstärkung der wankenden italienischen
Truppen gegen die britische Afrika-Armee geschickt hatte
1943 (Juli) Sturz der faschistischen Regierung Mussolinis; auf Befehl Hitlers
wird der "Duce" von deutschen Soldaten aus Partisanenhand wieder befreit;
deutsche Truppen besetzen Italien, um die alliierten Invasionen in Süditalien
azuwehren
1944 (Juni) alliierte Landung in Normandie:
am frühen Morgen des 6. Juni landen unter dem Befehl General Eisenhowers
amerikanische, britische und kanadische See- und Landstreitkräfte an der
französischen Nordseeküste; sie durchbrechen Ende Juli mit Panzerverbänden
die deutschen Verteidigungslinien, rücken am 25. August in Paris ein und
im folgenden auch auf breiter Front auf Deutschland vor
Hitler-Attentäter Oberst Graf von Stauffenberg
Churchill, Roosevelt und Stalin in Jalta (1945)
Eva Braun
Großadmiral Karl Dönitz
Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel unterzeichnet die deutsche Kapitulation
Flüchtlinge auf dem Weg nach Westen
1944 (20. Juli) Attentatsversuch auf Adolf Hitler:
in der Hoffnung, das bevorstehende Unheil einer bedingungslosen Kapitulation
Deutschlands noch abwenden oder mildern zu können, hat sich eine Gruppe
von Wehrmachtsoffizieren verschworen, den "Führer" zu beseitigen
und eine Staatsstreich-Regierung einzusetzen; Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg
deponiert bei einer Lagebesprechung im ostpreußischen Führerhauptquartier
"Wolfsschanze" eine Aktentasche mit Sprengstoff neben Hitlers Platz;
Hitler wird nur leicht verletzt, weil er sich zum Zeitpunkt der Explosion zu
weit entfernt von der Sprengladung aufhält;
in den folgenden Wochen werden etwa 200 Angehörige des Verschwörer-
und Widerstandskreises vom "Volksgerichtshof" abgeurteilt und hingerichtet,
weitere rund 7000 Personen werden im Zusammenhang mit dem Anschlag verhaftet
1945 (Januar) die Rote Armee hat die deutschen Truppen bis über die Grenzen
nach Deutschland zurückgedrängt: für die deutschen Soldaten ist
aus dem Eroberungsfeldzug eine Kampf um die Verteidigung der Heimat geworden;
die Russen zahlen die von der SS in Rußland begangenen Grausamkeiten mit
doppelter Münze an die deutsche Zivilbevölkerung zurück, massenhafte
Vergewaltigung von deutschen Frauen ist alltäglich
1945 (11. Februar) in Jalta auf der Krim treffen sich Stalin, Churchill und
der amerikanische Präsident Roosevelt, um darüber zu beraten, wie
mit Deutschland nach dessen Kapitulation zu verfahren sei; bereits hier wird
die Einteilung in vier Besatzungszonen und die Errichtung von Militärverwaltungen
beschlossen
1945 (13.-15. Februar) amerikanische und britische Flugzeuge bombardieren die
mit Flüchtlingen überfüllte und militärisch bedeutungslose
Barock-Stadt Dresden - mindestens 35.000 Menschen werden getötet, die Stadt
ist vollkommen in Trümmer gelegt
1945 (März/April) die Russen überrennen Ost- und Westpreußen
und lösen eine Massenflucht der Deutschen in Richtung Westen aus; Großadmiral
Dönitz rettet mit Schiffen der Marine bis Kriegsende rund 2 Millionen Flüchtlinge
über die Ostsee vor der Roten Armee;
Köln am 7. März von den Amerikanern besetzt; Königsberg am 9.
April, Wien am 13. April, Berlin am 2. Mai von den Russen erobert; Hamburg am
20. April von den Engländern eingenommen
1945 (23. April) in der Annahme, Hitler sei handlungsunfähig, versucht
Reichsmarschall Hermann Göring, die Regierungsgewalt zu übernehmen;
Hitler läßt ihn von SS-Leuten verhaften, die ihn jedoch nicht erschießen;
unmittelbar nach der Kapitulation gerät Göring als ranghöchster
Vertreter des nationalsozialistischen Regimes in amerikanische Gefangenschaft
1945 (29./30. April) Hitler verfaßt sein "politisches Testament",
in dem er Admiral Dönitz zu seinem Nachfolger ernennt; er heiratet seine
langjährige Geliebte Eva Braun und begeht einige Stunden später mit
ihr gemeinsam Selbstmord; wiederum nur Stunden später machen auch Goebbels
und seine Frau ihrem Leben und dem ihrer Kinder ein Ende
1945 (8./9. Mai) im Auftrag von Dönitz, der mit seiner provisorischen Regierung
in Flensburg sitzt, unterzeichnet General Jodl in Reims, dem Hauptquartier der
Westalliierten, gegenüber Eisenhower, tags darauf Feldmarschall Keitel
in Berlin gegenüber Sowjet-Marschall Schukow die bedingungslose deutsche
Kapitulation;
der Krieg in Europa endet mit der totalen Niederlage und dem Untergang des von
Bismarck neugegründeten Deutschen Reichs
1945 (23. Mai) die Regierung Dönitz wird für abgesetzt erklärt
und festgenommen
seit Mai 1945 12 Millionen deutsche Zivilisten werden aus den von Roten Armee
"befreiten" Ostgebieten vertrieben, Zehntausende werden als Arbeitssklaven
nach Rußland verschleppt, etwa 2 Millionen werden von Polen, Tschechen
und Russen ermordet
1945 (Juli) auf der "Potsdamer Konferenz" beschließen die Regierungschefs
der drei Siegermächte, Truman, Churchill und Stalin, über das weitere
Schicksal Deutschlands; die Westmächte billigen Stalins Vorhaben, den polnischen
Staat insgesamt nach Westen bis an die Oder-Neiße-Linie auf deutsches
Gebiet zu verschieben und dafür Ostpolen der Sowjetunion einzuverleiben;
der alliierte Kontrollrat in Berlin wird etabliert, Frankreich tritt als vierte
Besatzungsmacht zu den Siegern hinzu;
politisch "unbelastete" Deutsche werden als Bürgermeister und
Landräte eingesetzt; seit Juni ist die Bildung neuer, demokratischer Parteien
erlaubt; Deutschland soll nicht versklavt oder auf Dauer zerstückelt, aber
"entnazifiziert" und demilitarisiert werden
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