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Leitartikel - Was hat der amerikanische
Automobil-Magnat Henry Ford mit dem deutschen Großschriftsteller
Günter Grass zu tun? Lesen Sie als Einführung zur Geschichte-Seite
den Leitartikel.
1870/71 "Deutsch-Französischer Krieg" und Gründung des
Zweiten Kaiserreichs:
auf Grund der französischen Kriegserklärung an Preußen greift
die preußische Armee an, erobert in wenigen Wochen Paris und setzt den
Kaiser Napoleon III. gefangen; nach Bismarcks Verhandlungen mit den deutschen
Fürsten wird noch während des Krieges im Januar 1871 im Spiegelsaal
des Versailler Schlosses das Deutsche Reiche neugegründet und Wilhelm I.
von Preußen zum Kaiser gekrönt;
Bismarck setzt gegen "großdeutsche" Bestrebungen durch, daß
Österreich von der Reichsgründung ausgeschlossen wird
General Reille überreicht Wilhelm I. die Kapitulation des französischen
Kaisers
Kaiser Wilhelm I. überließ während seiner Herrschaft (1871 -
1888) dem Kanzler Bismarck das Regieren.
August Bebel, der Gründer der Sozialdemokratie, blieb bis zu seinem Tod
1913 die bestimmende Persönlichkeit seiner Partei
Carl Benz (1844 - 1929) baute 1885 das erste motorgetriebene Automobil
Benz-Kraftwagen "Viktoria" (1893)
Kaiser für 100 Tage: Friedrich III. von Hohenzollern
"Der Lotse geht von Bord" - Karikatur über die Entlassung Bismarcks
durch Kaiser Wilhelm II.
Großadmiral Alfred von Tirpitz, Organisator der deutschen Flottenrüstung
und wichtigster Exekutor der kaiserlichen Kolonialpolitik
Die Ermordung des österreichischen Kronprinzen-Paares in Sarajewo
Kaiser Franz Joseph von Österreich
Kaiser Wilhelm II.
Philip Scheidemann, der Nachfolger Eberts als Kanzler der Weimarer Republik
Karl Liebknecht
1871 Ende des Krieges durch den Vorfrieden von Versailles (im Februar) und den
Friedensschluß von Frankfurt (Mai): Frankreich muß Elsaß-Lothringen
wieder an Deutschland abtreten und 5 Mrd. Francs Kriegsentschädigung zahlen
1871 bis 1878 im sogenannten "Kulturkampf" versucht Reichskanzler
Bismarck, durch repressive Gesetze den politischen Katholizismus und das Jesuitentum
in die Schranken zu weisen - weitgehend erfolglos, wie der beständige Zuwachs
für die Abgeordneten-Fraktion der antiliberalen und reaktionären Zentrumspartei
im Reichstag bis 1907 zeigt
1875 Gründung der "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands"
(SAP), die sich 1890 in "Sozialdemokratische Partei Deutschlands"
(SPD) umbenennt; führende Köpfe der sozialistischen Bewegung sind
seit den 60er Jahren August Bebel und Karl Liebknecht
1878 beunruhigt von den Wahlerfolgen der Arbeiterpartei, läßt Bismarck
den Reichstag ein Gesetz "wider die gemeingefährlichen Bestrebungen
der Sozialdemokratie" beschließen (sog. Sozialistengesetze): Verbot
von sozialistischen Zeitungen und Vereinigungen (bis 1890)
1879 Abschluß des bis 1918 gültigen "Zweibunds", eines
Beistandsvertrags mit Österreich-Ungarn für den Fall eines russischen
Angriffs; durch den Beitritt Italiens 1882 bildet sich hier bereits die anfängliche
Bündniskonstellation des ersten Weltkriegs heraus
1883 bis 1889 Einführung der weltweit fortschrittlichsten Sozialgesetze:
1883 Krankenversicherungen für Arbeiter (Beitragszahlung zu gleichen Teilen
durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber)
1884 Arbeiter-Unfallversicherung (ohne Arbeitnehmer-Anteil)
1889 Renten- und Invalidenversicherung (Rentenbezug ab 70 Jahren bzw. bei Arbeitsunfähigkeit
- Beiträge je zur Hälfte von Arbeitern und Unternehmern)
Bismarcks Zielsetzung, die Arbeiterschaft mit dem Staat zu versöhnen und
die sozialistischen Organisationen zu schwächen, erfüllt sich nur
zum Teil
1884/85 Bismarck gibt seinen Widerstand gegen den Erwerb von Kolonien auf:
Deutsch-Südwestafrika (Namibia), Togo, Kamerun, später auch Deutsch-Ostafrika
(Tansania) und einige Atolle in der Südsee werden zu "Schutzgebieten"
des Reiches erklärt
1888 "Dreikaiserjahr":
Tod Kaiser Wilhelms I. ; sein Sohn und Nachfolger, Friedrich III., stirbt nach
drei Monaten ebenfalls; Thronbesteigung des 29-jährigen Kaisers Wilhelm
II.
1890 Bismarck sieht sich durch politische Unstimmigkeiten mit dem neuen Kaiser,
der nicht wie sein Großvater dem Kanzler das Regieren überlassen,
sondern selber die Leitlinien der Politik festlegen will, veranlaßt, sein
Rücktrittsgesuch einzureichen - mit seiner Entlassung am 20. März
endet die Ära des "Eisernen Kanzlers"
1897 das chinesische Kiautschou-Gebiet wird deutsche Kolonie (Pachtvertrag auf
99 Jahre); binnen 17 Jahren bauen deutsche Kaufleute, Beamte und Marineoffiziere
den Hafen Tsingtau zu einer Handelsstadt mit vorbildlicher Infrastruktur aus
- 1914 übernehmen die Japaner Tsingtau
seit 1898 auf Betreiben des Kaisers und seines Admirals Alfred von Tirpitz Erlaß
einer Reihe von Flottengesetzen und Bau vieler neuer Schiffe zur Verstärkung
der Marine, welche den Überseehandel besser schützen soll - Deutschland
tritt als Seemacht in Konkurrenz zum englischen Kolonial-Weltreich
1900 das bis heute in weiten Teilen gültige "Bürgerliche Gesetz-Buch"
(BGB), das erste einheitliche Zivilrecht für ganz Deutschland, wird eingeführt
1908 Annexion der ehemals türkisch Besetzten Gebiete Bosnien und Herzegowina
durch Österreich-Ungarn
1914 (28. Juni) Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand
und seiner Frau während eines Besuchs in Sarajewo durch einen serbischen
Terroristen
1914 "Julikrise":
die österreichische Regierung verlangt von Serbien die Auslieferung des
Attentäters und die Verfolgung seiner Hintermänner in Serbien; die
serbische Regierung erfüllt die ultimativen Forderungen Österreichs
nur teilweise, und nach einer Beistandszusage Kaiser Wilhelms II. erfolgt am
28. Juli die Kriegserklärung Wiens an Belgrad
1914 (Juli/August) eine aus dem Bündnissystem resultierende Kettenreaktion
führt zum ersten Weltkrieg:
Rußland, auf serbischer Seite stehend, erklärt Österreich den
Krieg, daraufhin mobilisiert das Deutsche Reich gegen Rußland und seinen
Verbündeten Frankreich, marschiert in Belgien ein, womit auch für
England der Bündnisfall eintritt; die englische Kriegserklärung an
Deutschland erfolgt am 4. August;
alle Parteien im Reichstag einschließlich der Sozialdemokratie stimmen
den Vorschlägen der Regierung zur Finanzierung des bevorstehenden Krieges
zu
1914/15 der deutsche Angriff im Westen fährt sich in der Marne-Schlacht
und bei Verdun zu einem Stellungskrieg gegen die englisch-französischen
Truppen fest;
im Osten schlägt General Paul von Hindenburg bei Tannenberg und in mehreren
anderen Schlachten die russischen Armeen
1915 im Seekrieg gegen England versenkt ein deutsches U-Boot den Passagierdampfer
"Lusitania", wobei auch 120 amerikanische Staatsbürger sterben
1916 (November) Tod Kaiser Franz Josephs von Österreich, des ältesten
Monarchen in Europa (Kaiser seit 1848)
1916 (Dezember) Deutschland und seine Verbündeten unterbreiten den Entente-Mächten
Großbritannien und Frankreich durch Vermittlung der USA ein Friedensangebot
ohne nähere Bedingungen, das aber abgelehnt wird
1917 nach einer Phase der Zurückhaltung nimmt die deutsche Marine den U-Boot-Krieg
im Atlantik wieder auf - da immer wieder auch der englisch-amerikanische Zivilverkehr
davon betroffen ist, treten die USA auf der Seite der Westalliierten in den
Krieg gegen Deutschland ein
1918 (März) unter dem Druck völliger Erschöpfung und der inneren
revolutionären Vorgänge seit dem Oktober 1917 zieht Rußland
sich durch den "Frieden von Brest-Litowsk" aus dem Krieg zurück;
Lenin muß große Gebiete in Osteuropa abtreten bzw. in die Unabhängigkeit
entlassen
1918 (September) nach dem Scheitern der "Frühjahrsoffensive"
in Frankreich und dem Vorrücken allierter Truppen seit Juli/August gesteht
Generalstabschef Ludendorff ein, daß der Krieg für Deutschland nicht
mehr zu gewinnen sei
1918 (Oktober) Waffenstillstandsangebot des neuen Reichskanzlers Max von Baden
an die Alliierten, in dem er sich auf den 14-Punkte-Friedensplan des amerikanischen
Präsidenten Wilson beruft
1918 (November) das Ende des Wilhelminischen Kaiserreichs:
Meuterei von Matrosen in Wilhelmshaven und anderen Kriegshäfen; zusammen
mit aufständischen Arbeitern werden von den Meuterern "Arbeiter- und
Soldatenräte" gebildet - der Bolschewismus droht von Rußland
auf Deutschland überzuspringen;
unter dem Eindruck der allgemeinen Kriegsmüdigkeit und der revolutionären
Volksstimmung tritt Prinz Max von Baden zurück, der Kaiser dankt am 9.
November ab und geht nach Holland ins Exil
1918 (9. November) Ausrufung der Republik:
am Tag der Abdankung Kaiser Wilhelms II. ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann
in Berlin die "Deutsche Republik" aus; die 1916 als Abspaltung von
der SPD entstandenen kommunistischen "Spartakisten" Karl Liebknechts
versucht durch eine zweite Republik-Verkündung, den Zusammenbruch der Monarchie
für die Eröffnung der Revolution auszunutzen
1918 (11. November) Besiegelung des Waffenstillstands an Fronten - der Krieg
ist beendet
1919 (22. Juni) in Weimar beschließt die Nationalversammlung die neue
Verfassung (daher der Name "Weimarer Republik")
1919 (28. Juni) "Versailler Friedensvertrag":
angesichts der Drohung der Alliierten, den Krieg erneut zu eröffnen und
nach Deutschland einzumarschieren, sieht die SPD-Regierung sich gezwungen, das
von den Siegern allein ausgehandelte und den Deutschen ohne Mitspracherecht
diktierte Vertragswerk zu unterzeichnen;
die erpreßte Annahme des Versailler Diktats belastet die Republik und
ihre Akzeptanz in der Bevölkerung von Anfang an schwer; die Hauptbestimmungen
lauten:
1. der Kaiser sowie mehrere Generäle und Politiker sollen als "Kriegsverbrecher"
ausgeliefert werden
2. Deutschland muß rund 70.000 km² Territorium abtreten, hauptsächlich
an Polen, Frankreich und Belgien
3. die deutsche Stadt Danzig wird unter Völkerbundsmandat gestellt und
damit polnischem Einfluß ausgeliefert
4. alle deutschen Kolonien müssen an die Siegermächte abgegeben werden
5. sämtliches Kriegsmaterial ist an die Alliierten auszuliefern
6. die künftige deutsche Armee bleibt auf ein Berufsheer von 100.000 Mann
beschränkt
7. alle alliierten Kriegsgefangenen müssen von Deutschland sofort freigelassen
werden, während die deutschen Gefangenen erst später heimkehren dürfen
8. große Teile des deutschen Rheinlandes sollten auf unbestimmte Zeit
von französischen und englischen Truppen besetzt bleiben
9. Deutschland (und seinen Verbündeten) wird die alleinige Kriegsschuld
zugewiesen, mit der Konsequenz, das es Reparationszahlungen in Höhe von
269 Milliarden Goldmark in 42 Jahresraten zu zahlen haben würde (1921 revidiert:
132 Mrd.)
10. Österreich muß Südtirol an Italien abtreten und darf sich
nicht mehr an das Deutsche Reich anschließen; die Donaumonarchie wird
zerstückelt und in autonome Kleinstaaten aufgelöst
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