Startseite Deutsche Geschichte
Zeittafeln Deutsche Geschichte
Herrscherliste - Deutsche Könige, Kaiser, Kanzler, Präsidenten
Abbildungen Deutsche Geschichte
Aufsätze Deutsche Geschichte
Quellen Deutsche Geschichte
Deutsche Sprachgeschichte - Geschichte der deutschen Sprache
Deutsche Literaturgeschichte - Geschichte der deutschen Literatur
Impressum Stefan Jacob
Wissenstest Deutsche Geschichte, Deutsche Literaturgeschichte, Klassische Musik, Deutsche Kulturgeschichte Quiz
Stefan Jacob Hauptseite
www.stefanjacob.de
Leitartikel - Was hat der amerikanische Automobil-Magnat Henry Ford mit dem deutschen „Großschriftsteller“ Günter Grass zu tun? Lesen Sie als Einführung zur Geschichte-Seite den Leitartikel.

Zeittafel IV zur deutschen Geschichte: 1800 - 2000 (Teil B: 1871 - 1918)

Das Zweite Kaiserreich: Deutschland von 1871 bis 1918

1870/71 "Deutsch-Französischer Krieg" und Gründung des Zweiten Kaiserreichs:
auf Grund der französischen Kriegserklärung an Preußen greift die preußische Armee an, erobert in wenigen Wochen Paris und setzt den Kaiser Napoleon III. gefangen; nach Bismarcks Verhandlungen mit den deutschen Fürsten wird noch während des Krieges im Januar 1871 im Spiegelsaal des Versailler Schlosses das Deutsche Reiche neugegründet und Wilhelm I. von Preußen zum Kaiser gekrönt;
Bismarck setzt gegen "großdeutsche" Bestrebungen durch, daß Österreich von der Reichsgründung ausgeschlossen wird
General Reille überreicht Wilhelm I. die Kapitulation des französischen Kaisers


Kaiser Wilhelm I. überließ während seiner Herrschaft (1871 - 1888) dem Kanzler Bismarck das Regieren.


August Bebel, der Gründer der Sozialdemokratie, blieb bis zu seinem Tod 1913 die bestimmende Persönlichkeit seiner Partei


Carl Benz (1844 - 1929) baute 1885 das erste motorgetriebene Automobil


Benz-Kraftwagen "Viktoria" (1893)


Kaiser für 100 Tage: Friedrich III. von Hohenzollern


"Der Lotse geht von Bord" - Karikatur über die Entlassung Bismarcks durch Kaiser Wilhelm II.


Großadmiral Alfred von Tirpitz, Organisator der deutschen Flottenrüstung und wichtigster Exekutor der kaiserlichen Kolonialpolitik


Die Ermordung des österreichischen Kronprinzen-Paares in Sarajewo


Kaiser Franz Joseph von Österreich


Kaiser Wilhelm II.


Philip Scheidemann, der Nachfolger Eberts als Kanzler der Weimarer Republik


Karl Liebknecht

1871 Ende des Krieges durch den Vorfrieden von Versailles (im Februar) und den Friedensschluß von Frankfurt (Mai): Frankreich muß Elsaß-Lothringen wieder an Deutschland abtreten und 5 Mrd. Francs Kriegsentschädigung zahlen
1871 bis 1878 im sogenannten "Kulturkampf" versucht Reichskanzler Bismarck, durch repressive Gesetze den politischen Katholizismus und das Jesuitentum in die Schranken zu weisen - weitgehend erfolglos, wie der beständige Zuwachs für die Abgeordneten-Fraktion der antiliberalen und reaktionären Zentrumspartei im Reichstag bis 1907 zeigt
1875 Gründung der "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands" (SAP), die sich 1890 in "Sozialdemokratische Partei Deutschlands" (SPD) umbenennt; führende Köpfe der sozialistischen Bewegung sind seit den 60er Jahren August Bebel und Karl Liebknecht
1878 beunruhigt von den Wahlerfolgen der Arbeiterpartei, läßt Bismarck den Reichstag ein Gesetz "wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" beschließen (sog. Sozialistengesetze): Verbot von sozialistischen Zeitungen und Vereinigungen (bis 1890)
1879 Abschluß des bis 1918 gültigen "Zweibunds", eines Beistandsvertrags mit Österreich-Ungarn für den Fall eines russischen Angriffs; durch den Beitritt Italiens 1882 bildet sich hier bereits die anfängliche Bündniskonstellation des ersten Weltkriegs heraus
1883 bis 1889 Einführung der weltweit fortschrittlichsten Sozialgesetze:
1883 Krankenversicherungen für Arbeiter (Beitragszahlung zu gleichen Teilen durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber)
1884 Arbeiter-Unfallversicherung (ohne Arbeitnehmer-Anteil)
1889 Renten- und Invalidenversicherung (Rentenbezug ab 70 Jahren bzw. bei Arbeitsunfähigkeit - Beiträge je zur Hälfte von Arbeitern und Unternehmern)
Bismarcks Zielsetzung, die Arbeiterschaft mit dem Staat zu versöhnen und die sozialistischen Organisationen zu schwächen, erfüllt sich nur zum Teil

1884/85 Bismarck gibt seinen Widerstand gegen den Erwerb von Kolonien auf:
Deutsch-Südwestafrika (Namibia), Togo, Kamerun, später auch Deutsch-Ostafrika (Tansania) und einige Atolle in der Südsee werden zu "Schutzgebieten" des Reiches erklärt
1888 "Dreikaiserjahr":
Tod Kaiser Wilhelms I. ; sein Sohn und Nachfolger, Friedrich III., stirbt nach drei Monaten ebenfalls; Thronbesteigung des 29-jährigen Kaisers Wilhelm II.

1890 Bismarck sieht sich durch politische Unstimmigkeiten mit dem neuen Kaiser, der nicht wie sein Großvater dem Kanzler das Regieren überlassen, sondern selber die Leitlinien der Politik festlegen will, veranlaßt, sein Rücktrittsgesuch einzureichen - mit seiner Entlassung am 20. März endet die Ära des "Eisernen Kanzlers"
1897 das chinesische Kiautschou-Gebiet wird deutsche Kolonie (Pachtvertrag auf 99 Jahre); binnen 17 Jahren bauen deutsche Kaufleute, Beamte und Marineoffiziere den Hafen Tsingtau zu einer Handelsstadt mit vorbildlicher Infrastruktur aus - 1914 übernehmen die Japaner Tsingtau
seit 1898 auf Betreiben des Kaisers und seines Admirals Alfred von Tirpitz Erlaß einer Reihe von Flottengesetzen und Bau vieler neuer Schiffe zur Verstärkung der Marine, welche den Überseehandel besser schützen soll - Deutschland tritt als Seemacht in Konkurrenz zum englischen Kolonial-Weltreich
1900 das bis heute in weiten Teilen gültige "Bürgerliche Gesetz-Buch" (BGB), das erste einheitliche Zivilrecht für ganz Deutschland, wird eingeführt
1908 Annexion der ehemals türkisch Besetzten Gebiete Bosnien und Herzegowina durch Österreich-Ungarn
1914 (28. Juni) Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Frau während eines Besuchs in Sarajewo durch einen serbischen Terroristen
1914 "Julikrise":
die österreichische Regierung verlangt von Serbien die Auslieferung des Attentäters und die Verfolgung seiner Hintermänner in Serbien; die serbische Regierung erfüllt die ultimativen Forderungen Österreichs nur teilweise, und nach einer Beistandszusage Kaiser Wilhelms II. erfolgt am 28. Juli die Kriegserklärung Wiens an Belgrad

1914 (Juli/August) eine aus dem Bündnissystem resultierende Kettenreaktion führt zum ersten Weltkrieg:
Rußland, auf serbischer Seite stehend, erklärt Österreich den Krieg, daraufhin mobilisiert das Deutsche Reich gegen Rußland und seinen Verbündeten Frankreich, marschiert in Belgien ein, womit auch für England der Bündnisfall eintritt; die englische Kriegserklärung an Deutschland erfolgt am 4. August;
alle Parteien im Reichstag einschließlich der Sozialdemokratie stimmen den Vorschlägen der Regierung zur Finanzierung des bevorstehenden Krieges zu

1914/15 der deutsche Angriff im Westen fährt sich in der Marne-Schlacht und bei Verdun zu einem Stellungskrieg gegen die englisch-französischen Truppen fest;
im Osten schlägt General Paul von Hindenburg bei Tannenberg und in mehreren anderen Schlachten die russischen Armeen

1915 im Seekrieg gegen England versenkt ein deutsches U-Boot den Passagierdampfer "Lusitania", wobei auch 120 amerikanische Staatsbürger sterben
1916 (November) Tod Kaiser Franz Josephs von Österreich, des ältesten Monarchen in Europa (Kaiser seit 1848)
1916 (Dezember) Deutschland und seine Verbündeten unterbreiten den Entente-Mächten Großbritannien und Frankreich durch Vermittlung der USA ein Friedensangebot ohne nähere Bedingungen, das aber abgelehnt wird
1917 nach einer Phase der Zurückhaltung nimmt die deutsche Marine den U-Boot-Krieg im Atlantik wieder auf - da immer wieder auch der englisch-amerikanische Zivilverkehr davon betroffen ist, treten die USA auf der Seite der Westalliierten in den Krieg gegen Deutschland ein
1918 (März) unter dem Druck völliger Erschöpfung und der inneren revolutionären Vorgänge seit dem Oktober 1917 zieht Rußland sich durch den "Frieden von Brest-Litowsk" aus dem Krieg zurück; Lenin muß große Gebiete in Osteuropa abtreten bzw. in die Unabhängigkeit entlassen
1918 (September) nach dem Scheitern der "Frühjahrsoffensive" in Frankreich und dem Vorrücken allierter Truppen seit Juli/August gesteht Generalstabschef Ludendorff ein, daß der Krieg für Deutschland nicht mehr zu gewinnen sei
1918 (Oktober) Waffenstillstandsangebot des neuen Reichskanzlers Max von Baden an die Alliierten, in dem er sich auf den 14-Punkte-Friedensplan des amerikanischen Präsidenten Wilson beruft
1918 (November) das Ende des Wilhelminischen Kaiserreichs:
Meuterei von Matrosen in Wilhelmshaven und anderen Kriegshäfen; zusammen mit aufständischen Arbeitern werden von den Meuterern "Arbeiter- und Soldatenräte" gebildet - der Bolschewismus droht von Rußland auf Deutschland überzuspringen;
unter dem Eindruck der allgemeinen Kriegsmüdigkeit und der revolutionären Volksstimmung tritt Prinz Max von Baden zurück, der Kaiser dankt am 9. November ab und geht nach Holland ins Exil

1918 (9. November) Ausrufung der Republik:
am Tag der Abdankung Kaiser Wilhelms II. ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann in Berlin die "Deutsche Republik" aus; die 1916 als Abspaltung von der SPD entstandenen kommunistischen "Spartakisten" Karl Liebknechts versucht durch eine zweite Republik-Verkündung, den Zusammenbruch der Monarchie für die Eröffnung der Revolution auszunutzen
1918 (11. November) Besiegelung des Waffenstillstands an Fronten - der Krieg ist beendet
1919 (22. Juni) in Weimar beschließt die Nationalversammlung die neue Verfassung (daher der Name "Weimarer Republik")
1919 (28. Juni) "Versailler Friedensvertrag":
angesichts der Drohung der Alliierten, den Krieg erneut zu eröffnen und nach Deutschland einzumarschieren, sieht die SPD-Regierung sich gezwungen, das von den Siegern allein ausgehandelte und den Deutschen ohne Mitspracherecht diktierte Vertragswerk zu unterzeichnen;
die erpreßte Annahme des Versailler Diktats belastet die Republik und ihre Akzeptanz in der Bevölkerung von Anfang an schwer; die Hauptbestimmungen lauten:

1. der Kaiser sowie mehrere Generäle und Politiker sollen als "Kriegsverbrecher" ausgeliefert werden
2. Deutschland muß rund 70.000 km² Territorium abtreten, hauptsächlich an Polen, Frankreich und Belgien
3. die deutsche Stadt Danzig wird unter Völkerbundsmandat gestellt und damit polnischem Einfluß ausgeliefert
4. alle deutschen Kolonien müssen an die Siegermächte abgegeben werden
5. sämtliches Kriegsmaterial ist an die Alliierten auszuliefern
6. die künftige deutsche Armee bleibt auf ein Berufsheer von 100.000 Mann beschränkt
7. alle alliierten Kriegsgefangenen müssen von Deutschland sofort freigelassen werden, während die deutschen Gefangenen erst später heimkehren dürfen
8. große Teile des deutschen Rheinlandes sollten auf unbestimmte Zeit von französischen und englischen Truppen besetzt bleiben
9. Deutschland (und seinen Verbündeten) wird die alleinige Kriegsschuld zugewiesen, mit der Konsequenz, das es Reparationszahlungen in Höhe von 269 Milliarden Goldmark in 42 Jahresraten zu zahlen haben würde (1921 revidiert: 132 Mrd.)
10. Österreich muß Südtirol an Italien abtreten und darf sich nicht mehr an das Deutsche Reich anschließen; die Donaumonarchie wird zerstückelt und in autonome Kleinstaaten aufgelöst


Deutsche Vorzeit - Germanien, Germanen, Frankenreich, Fränkisches Reich, Karolinger, Merowinger, Frühmittelalter
Deutschland im Mittelalter - Mittelalterliche deutsche Geschichte - Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation
Deutschland in der frühen Neuzeit - Frühneuzeitliche deutsche Geschichte - Reformation, Renaissance, Humanismus, Barock
Deutschland in der Neuzeit - Neuzeitliche deutsche Geschichte - Deutscher Bund - Norddeutscher Bund
Deutschland in der Neuzeit - Neuzeitliche deutsche Geschichte - Weimarer Republik - Drittes Reich - Nationalsozialismus
Deutschland in der Neuzeit - Neuzeitliche deutsche Geschichte - Nachkriegszeit - Bundesrepublik Deutschland - DDR

 

Deutscher Bund
Zweites Kaiserreich
Weimar & NS-Zeit
Nachkriegszeit
Deutsche Vorzeit
Mittelalter
Frühe Neuzeit
Neuzeit ab 1800
Startseite
  Zeittafel-Auswahl

Alle Abbildungen können durch Anklicken vergrößert werden (nicht mit Netscape 4/6).
Der Lautsprecher weist auf ein Tondokument hin (nur mit Internet Explorer abspielbar!).

Zeittafel  IV  zur deutschen Geschichte: 1800 - 2000 (Teil B: 1871 - 1918)

Das Zweite Kaiserreich: Deutschland von 1871 bis 1918


1870/71 "Deutsch-Französischer Krieg" und Gründung des Zweiten Kaiserreichs:
auf Grund der französischen Kriegserklärung an Preußen greift die preußische Armee an, erobert in wenigen Wochen Paris und setzt den Kaiser Napoleon III. gefangen; nach Bismarcks Verhandlungen mit den deutschen Fürsten wird noch während des Krieges im Januar 1871 im Spiegelsaal des Versailler Schlosses das Deutsche Reiche neugegründet und Wilhelm I. von Preußen zum Kaiser gekrönt;
Bismarck setzt gegen "großdeutsche" Bestrebungen durch, daß Österreich von der Reichsgründung ausgeschlossen wird

Frz. Kapitulation 1871
General Reille überreicht Wilhelm I. die Kapitulation des französischen Kaisers

Wilhelm I.
Kaiser Wilhelm I. überließ während seiner Herrschaft (1871 - 1888) dem Kanzler Bismarck das Regieren.

August Bebel
August Bebel, der Gründer der Sozialdemokratie, blieb bis zu seinem Tod 1913 die bestimmende Persönlichkeit seiner Partei

Carl Benz
Carl Benz (1844 - 1929) baute 1885 das erste motorgetriebene Automobil

Benz-Wagen "Viktoria"
Benz-Kraftwagen "Viktoria" (1893)

Friedrich III.
Kaiser für 100 Tage: Friedrich III. von Hohenzollern

"Der Lotse geht von Bord"
"Der Lotse geht von Bord" - Karikatur über die Entlassung Bismarcks durch Kaiser Wilhelm II.

Admiral Tirpitz
Großadmiral Alfred von Tirpitz, Organisator der deutschen Flottenrüstung und wichtigster Exekutor der kaiserlichen Kolonialpolitik

Mord in Sarajewo
Die Ermordung des österreichischen Kronprinzen-Paares in Sarajewo

Franz Joseph von Österreich
Kaiser Franz Joseph von Österreich

Wilhelm II.
Kaiser Wilhelm II.

Philipp Scheidemann
Philipp Scheidemann, der Nachfolger Eberts als Kanzler der Weimarer Republik

Karl Liebknecht
Karl Liebknecht

1871 Ende des Krieges durch den Vorfrieden von Versailles (im Februar) und den Friedensschluß von Frankfurt (Mai): Frankreich muß Elsaß-Lothringen wieder an Deutschland abtreten und 5 Mrd. Francs Kriegsentschädigung zahlen
1871 bis 1878 im sogenannten "Kulturkampf" versucht Reichskanzler Bismarck, durch repressive Gesetze den politischen Katholizismus und das Jesuitentum in die Schranken zu weisen - weitgehend erfolglos, wie der beständige Zuwachs für die Abgeordneten-Fraktion der antiliberalen und reaktionären Zentrumspartei im Reichstag bis 1907 zeigt
1875 Gründung der "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands" (SAP), die sich 1890 in "Sozialdemokratische Partei Deutschlands" (SPD) umbenennt; führende Köpfe der sozialistischen Bewegung sind seit den 60er Jahren August Bebel und Karl Liebknecht
1878 beunruhigt von den Wahlerfolgen der Arbeiterpartei, läßt Bismarck den Reichstag ein Gesetz "wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" beschließen (sog. Sozialistengesetze): Verbot von sozialistischen Zeitungen und Vereinigungen (bis 1890)
1879 Abschluß des bis 1918 gültigen "Zweibunds", eines Beistandsvertrags mit Österreich-Ungarn für den Fall eines russischen Angriffs; durch den Beitritt Italiens 1882 bildet sich hier bereits die anfängliche Bündniskonstellation des ersten Weltkriegs heraus
1883 bis 1889
Einführung der weltweit fortschrittlichsten Sozialgesetze:
1883 Krankenversicherungen für Arbeiter (Beitragszahlung zu gleichen Teilen durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber)
1884 Arbeiter-Unfallversicherung (ohne Arbeitnehmer-Anteil)
1889 Renten- und Invalidenversicherung (Rentenbezug ab 70 Jahren bzw. bei Arbeitsunfähigkeit - Beiträge je zur Hälfte von Arbeitern und Unternehmern)
Bismarcks Zielsetzung, die Arbeiterschaft mit dem Staat zu versöhnen und die sozialistischen Organisationen zu schwächen, erfüllt sich nur zum Teil
1884/85 Bismarck gibt seinen Widerstand gegen den Erwerb von Kolonien auf:
Deutsch-Südwestafrika (Namibia), Togo, Kamerun, später auch Deutsch-Ostafrika (Tansania) und einige Atolle in der Südsee werden zu "Schutzgebieten" des Reiches erklärt
1888

"Dreikaiserjahr":
Tod Kaiser Wilhelms I. ; sein Sohn und Nachfolger, Friedrich III., stirbt nach drei Monaten ebenfalls; Thronbesteigung des 29-jährigen Kaisers Wilhelm II.

1890 Bismarck sieht sich durch politische Unstimmigkeiten mit dem neuen Kaiser, der nicht wie sein Großvater dem Kanzler das Regieren überlassen, sondern selber die Leitlinien der Politik festlegen will, veranlaßt, sein Rücktrittsgesuch einzureichen - mit seiner Entlassung am 20. März endet die Ära des "Eisernen Kanzlers"
1897 das chinesische Kiautschou-Gebiet wird deutsche Kolonie (Pachtvertrag auf 99 Jahre); binnen 17 Jahren bauen deutsche Kaufleute, Beamte und Marineoffiziere den Hafen Tsingtau zu einer Handelsstadt mit vorbildlicher Infrastruktur aus - 1914 übernehmen die Japaner Tsingtau
seit 1898 auf Betreiben des Kaisers und seines Admirals Alfred von Tirpitz Erlaß einer Reihe von Flottengesetzen und Bau vieler neuer Schiffe zur Verstärkung der Marine, welche den Überseehandel besser schützen soll - Deutschland tritt als Seemacht in Konkurrenz zum englischen Kolonial-Weltreich
1900 das bis heute in weiten Teilen gültige "Bürgerliche Gesetz-Buch" (BGB), das erste einheitliche Zivilrecht für ganz Deutschland, wird eingeführt
1908 Annexion der ehemals türkisch Besetzten Gebiete Bosnien und Herzegowina durch Österreich-Ungarn
1914 (28. Juni) Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Frau während eines Besuchs in Sarajewo durch einen serbischen Terroristen
1914

"Julikrise":
die österreichische Regierung verlangt von Serbien die Auslieferung des Attentäters und die Verfolgung seiner Hintermänner in Serbien; die serbische Regierung erfüllt die ultimativen Forderungen Österreichs nur teilweise, und nach einer Beistandszusage Kaiser Wilhelms II. erfolgt am 28. Juli die Kriegserklärung Wiens an Belgrad

1914 (Juli/August)

eine aus dem Bündnissystem resultierende Kettenreaktion führt zum ersten Weltkrieg:
Rußland, auf serbischer Seite stehend, erklärt Österreich den Krieg, daraufhin mobilisiert das Deutsche Reich gegen Rußland und seinen Verbündeten Frankreich, marschiert in Belgien ein, womit auch für England der Bündnisfall eintritt; die englische Kriegserklärung an Deutschland erfolgt am 4. August; Kaiser Wilhelm II. ruft die Deutschen zum Kriege;
alle Parteien im Reichstag einschließlich der Sozialdemokratie stimmen den Vorschlägen der Regierung zur Finanzierung des bevorstehenden Krieges zu

1914/15

der deutsche Angriff im Westen fährt sich in der Marne-Schlacht und bei Verdun zu einem Stellungskrieg gegen die englisch-französischen Truppen fest;
im Osten schlägt General Paul von Hindenburg bei Tannenberg und in mehreren anderen Schlachten die russischen Armeen

1915 im Seekrieg gegen England versenkt ein deutsches U-Boot den Passagierdampfer "Lusitania", wobei auch 120 amerikanische Staatsbürger sterben
1916 (November) Tod Kaiser Franz Josephs von Österreich, des ältesten Monarchen in Europa (Kaiser seit 1848)
1916 (Dezember) Deutschland und seine Verbündeten unterbreiten den Entente-Mächten Großbritannien und Frankreich durch Vermittlung der USA ein Friedensangebot ohne nähere Bedingungen, das aber abgelehnt wird
1917 nach einer Phase der Zurückhaltung nimmt die deutsche Marine den U-Boot-Krieg im Atlantik wieder auf - da immer wieder auch der englisch-amerikanische Zivilverkehr davon betroffen ist, treten die USA auf der Seite der Westalliierten in den Krieg gegen Deutschland ein
1918 (März) unter dem Druck völliger Erschöpfung und der inneren revolutionären Vorgänge seit dem Oktober 1917 zieht Rußland sich durch den "Frieden von Brest-Litowsk" aus dem Krieg zurück; Lenin muß große Gebiete in Osteuropa abtreten bzw. in die Unabhängigkeit entlassen
1918 (September) nach dem Scheitern der "Frühjahrsoffensive" in Frankreich und dem Vorrücken alliierter Truppen seit Juli/August gesteht Generalstabschef Ludendorff ein, daß der Krieg für Deutschland nicht mehr zu gewinnen sei
1918 (Oktober) Waffenstillstandsangebot des neuen Reichskanzlers Max von Baden an die Alliierten, in dem er sich auf den 14-Punkte-Friedensplan des amerikanischen Präsidenten Wilson beruft
1918 (November)

das Ende des Wilhelminischen Kaiserreichs:
Meuterei von Matrosen in Wilhelmshaven und anderen Kriegshäfen; zusammen mit aufständischen Arbeitern werden von den Meuterern "Arbeiter- und Soldatenräte" gebildet - der Bolschewismus droht von Rußland auf Deutschland überzuspringen;
unter dem Eindruck der allgemeinen Kriegsmüdigkeit und der revolutionären Volksstimmung tritt Prinz Max von Baden zurück, der Kaiser dankt am 9. November ab und geht nach Holland ins Exil

1918 (9. November) Ausrufung der Republik:
am Tag der Abdankung Kaiser Wilhelms II. ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann in Berlin die "Deutsche Republik" aus; die 1916 als Abspaltung von der SPD entstandenen kommunistischen "Spartakisten" Karl Liebknechts versucht durch eine zweite Republik-Verkündung, den Zusammenbruch der Monarchie für die Eröffnung der Revolution auszunutzen
1918 (11. November) Besiegelung des Waffenstillstands an Fronten - der Krieg ist beendet
1919 (22. Juni) in Weimar beschließt die Nationalversammlung die neue Verfassung (daher der Name "Weimarer Republik")
1919 (28. Juni)

"Versailler Friedensvertrag":
angesichts der Drohung der Alliierten, den Krieg erneut zu eröffnen und nach Deutschland einzumarschieren, sieht die SPD-Regierung sich gezwungen, das von den Siegern allein ausgehandelte und den Deutschen ohne Mitspracherecht diktierte Vertragswerk zu unterzeichnen;
die erpreßte Annahme des Versailler Diktats belastet die Republik und ihre Akzeptanz in der Bevölkerung von Anfang an schwer; die Hauptbestimmungen lauten:

1. der Kaiser sowie mehrere Generäle und Politiker sollen als "Kriegsverbrecher" ausgeliefert werden
2. Deutschland muß rund 70.000 km² Territorium abtreten, hauptsächlich an Polen, Frankreich und Belgien
3. die deutsche Stadt Danzig wird unter Völkerbundsmandat gestellt und damit polnischem Einfluß ausgeliefert
4. alle deutschen Kolonien müssen an die Siegermächte abgegeben werden
5. sämtliches Kriegsmaterial ist an die Alliierten auszuliefern
6. die künftige deutsche Armee bleibt auf ein Berufsheer von 100.000 Mann beschränkt
7. alle alliierten Kriegsgefangenen müssen von Deutschland sofort freigelassen werden, während die deutschen Gefangenen erst später heimkehren dürfen
8. große Teile des deutschen Rheinlandes sollten auf unbestimmte Zeit von französischen und englischen Truppen besetzt bleiben
9. Deutschland (und seinen Verbündeten) wird die alleinige Kriegsschuld zugewiesen, mit der Konsequenz, daß es Reparationszahlungen in Höhe von 269 Milliarden Goldmark in 42 Jahresraten zu zahlen haben würde (1921 revidiert: 132 Mrd.)
10. Österreich muß Südtirol an Italien abtreten und darf sich nicht mehr an das Deutsche Reich anschließen; die Donaumonarchie wird zerstückelt und in autonome Kleinstaaten aufgelöst
     
eine Epoche zurück         zur nächsten Epoche

Startseite
  Zeittafel-Auswahl
Deutsche Vorzeit
Mittelalter
Frühe Neuzeit
Neuzeit ab 1800
Deutscher Bund
Zweites Kaiserreich
Weimar & NS-Zeit
Nachkriegszeit