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Anmerkung zu den Übersetzungen:
Ich habe mich bemüht, bei allen Texten so nah wie eben möglich
am Original zu bleiben, d.h. auch soweit dabei die Verständlichkeit
der neuhochdeutschen Übertragung gewahrt bleiben konnte
den Wortlaut und die Wortstellung möglichst genau einzuhalten,
um die Verwandtschaft des Wortschatzes und der Strukturen durchsichtig
zu machen. Ich weiß wohl, daß es in modernen Bibeln
"Führe uns nicht in Versuchung" heißt.
Wenn aber in nordischen oder englischen Texten "leið"
bzw. "lead" steht, schien mir die Übersetzung mit
"leiten" erhellender zu sein. Es ging hier nicht darum,
"schönes" Hochdeutsch zu schreiben oder Übersetzungskonventionen
einzuhalten. Wo der nhd. Textsinn dadurch unklar werden konnte,
sind Erläuterungen bzw. hinzuzudenkende Wörter in Klammern
angeführt. Für Hinweise auf eventuelle Übersetzungsfehler
wäre ich sehr dankbar. Bitte hier
klicken, um Mitteilung zu machen.
Hinweise zum leichteren Verständnis der Originaltexte:
Akzente auf Vokalen bedeuten, daß die jeweilige Silbe den
Hauptton des Wortes trägt. Ein "Dach" (^) zeigt an,
daß dieser Vokal lang zu sprechen ist; æ steht
für den deutschen Umlaut ä, ø und
für deutsches ö, skandinavisches
å für einen offenen o-Laut (mit gerundeten Lippen).
Das Thorn (groß Þ, klein þ) repräsentiert
den stimmlosen englischen th-Laut (z.B. in "death"),
ð stimmhaftes th wie in "that". In mehreren
mittelalterlichen Texten ist u an manchen Stellen als u,
an anderen als v zu lesen; entsprechend steht uu sehr
oft, wie im englischen Buchstaben-Namen "double-U" noch
erhalten, für das heutige w. Der letzte Hinweis gilt
besonders für die altdeutschen und altniederländischen
Texte.
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| Alle Textbeispiele
germanischer Sprachen |
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1. Gotisch (200 n.Chr. 800)
aus der Bibelübersetzung des westgotischen Bischofs Wulfila
(um 350 n.Chr.)
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Handschrift: Codex Argenteus;
Text: Matthäus VI., 9 - 13
(ostgotische Prachthandschrift für Theoderich den Großen
aus dem frühen 6. Jahrhundert) |
Übersetzung: |
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Atta unsar, þu in
himinam, weihnai namo þein. Qimai þiudinassus þeins.
Wairþai wilja þeins, swe in himina jah ana airþai.
Hlaif unsarana þana sinteinan gif uns himma daga. Jah aflet
uns þatei skulans sijaima, swaswe jah weis afletam þaim
skulam unsaraim. Jah ni briggais uns in fraistubnjai, ak lausei uns
af þamma ubilin. Unte þeina ist þiudangardi jah
mahts jah wulþus in aiwins.
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Vater
unser, du im Himmel, geweiht (sei) dein Name. Komme dein Volksreich.
Werde dein Wille, so wie im Himmel auch auf der Erde. Unseren Laib
(Brot), den täglichen, gib uns heute. Auch vergib uns, (für
den Fall) daß wir Schuldner seien, so wie auch wir vergeben
unseren Schuldnern. Und bringe uns nicht in Versuchung, aber (er-)
löse und von dem Übel. Denn dein ist das Königreich
und die Macht und die Herrlichkeit in Ewig (-keit). |
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2. Krimgotisch (16. Jahrhundert)
Auszug aus einer Liste krimgotischer Einzelwörter (1562) |
| aufgezeichnet durch den flämischen Gesandten Ghislain
von Busbecq anläßlich einer Reise auf die Krim
zurück |
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krimgotisch
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Übersetzung:
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krimgotisch
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Übersetzung:
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broe
tag
plut
oeghene
stul
hus
handa
boga
reghen
schuuester
brunna
wintch
|
Brot
Tag
Blut
Augen
Stuhl
Haus
Hände
Bogen
Regen
Schwester
Brunnen
Wind
|
waghen
siluir
apel
goltz
schieten
schlipen
salt
singhen
hoef
thurn
sunne
mine
|
Wagen
Silber
Apfel
Gold
schießen
schlafen
Salz
singen
Haupt
Tür
Sonne
Mond
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3. Altnordisch (200 n.Chr.
800)
Runeninschrift aus Nordschleswig (um 420) |
| überliefert auf dem "Goldenen
Horn von Gallehus" |
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Übersetzung:
wörtlich:
sinngemäß:
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Ich, Hlewagastir, (aus dem) Wald Horn tat (Präteritum von "taujan"
= "tun").
Ich, Hlewagastir, machte das hölzerne Horn. |
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4. Altisländisch (800
1550)
aus der isländischen Bibelübersetzung von Oddr Goðskalksson
(1540) |
| Text: Matthäus VI., 9 - 13 |
Übersetzung: |
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| Faðir Vor, sá
þú ert á himnum. Helgist nafn þitt. Til
komi þitt ríki. Verði þinn vili, svo á
jrðu sem á himni. Gef oss í dag vort dagligt
brauð. Og fyrirlát oss vorar skuldir, svo sem vér
fyrirlátum vorum skuldu-nautum. Og inn leið oss eigi í
freistni. Heldr frelsa þú oss af íllu: þvíat
þitt er ríkit, máttr og dyrð um aldir alda. |
Vater
unser, der du bist im Himmel. Geheiligt sei dein Name. Dein Reich
komme an. Werde dein Wille, so auf der Erde wie im Himmel. Gib uns
heute unsere tägliches Brot. Und vergib uns unsere Schuld, so
wie wir vergeben unseren Schuldnern. Und leite uns nicht in Versuchung
hinein. Lieber befreie du uns von Übel: denn dein ist das Reich,
die Macht und die Herrlichkeit in allen (Zeit-) Altern. |
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5. Neuisländisch
(1550 heute)
aus einer isländischen Bibel der Gegenwart |
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| Text: Matthäus VI., 9 -
13 |
Übersetzung: |
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| Faðir vor, þú
sem ert í himnunum, helgist nafn þitt. Komi ríki
þitt. Verði vilji þinn, svo á jörðu
sem á himni. Gef oss í dag vort daglegt brauð; og
gef oss upp skuldir vorar, svo sem vér og höfum gefið
upp skuldunautum vorum. Og leið oss ekkii í freistni, heldur
frelsa oss frá íllu ... |
Vater
unser, der du bist im Himmel, geheiligt sei dein Name. Komme dein
Reich. Werde dein Wille, wie auf der Erde so im Himmel. Gib uns heute
unser tägliches Brot; und vergib uns unsere Schuld, so wie wir
auch haben unseren Schuldnern vergeben. Und leite uns nicht in Versuchung,
lieber befreie uns vom Übel ... |
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6. Färöisch
(heutiger Sprachzustand)
aus einer färöischen Bibel der Gegenwart |
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| Text: Matthäus VI., 9 - 13 |
Übersetzung: |
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| Faðir okkara, tu sum
ert i himlinum. Heilagt verði navn titt, komi riki titt, verði
vilji tin, sum i himlinum, soleiðis eisini a jørðini,
gev okkum i dag okkara dagliga breyð, og fyrigev okkum skuldir
okkara, sum vit eisini fyrigeva teimun, ið okkum skylda, og leið
okkum ikki i freistingar, men frels okkum fra ti illa. Ti titt er
rikið og maktin og æran i allar ævir. |
Vater
unser, der du bist im Himmel. Geheiligt werde dein Name, komme dein
Reich, werde dein Wille, wie im Himmel, ebenso auch auf der Erde,
gib uns heute unser tägliches Brot, und vergib uns unsere Schuld,
wie wir auch vergeben denen, welche uns schulden, und leite uns nicht
in Versuchung, doch befreie uns von dem Übel. Denn dein ist das
Reich und die Macht und die Ehre in aller Ewigkeit. |
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7. Altnorwegisch (800
1300/1500)
aus der Dietrichs-Saga (Ende des 13. Jahrhunderts) |
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| Handschrift aus Trondheim |
Übersetzung: |
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| Þa svaraðe junkfru
af micklum moð ok kallar: "Min sta systir Bærta",
sagir hon, "kom hingat ok hæyr þæssa manz ærænde!"
Bærta gængr þængat ok spyr, huat hon vill.
Erka svarar: "Hær er æigi Sigurðr, sem hann sægir.
Hann gængr nu i gægn, at hann er hælldr græivi
Roðolfr, sendematðr Atila konongs. Hann svæik mik ok
minn faður, ok nu flytr hann mal Atila konongs. Gak nu eptir minum
fæðr ok skal nu dræpa hann, firir þui at hann
drap a æinum vælli fim hundrað riddara mins faður,
ok þar firir skal hann i dag uppi hanga." |
Da
antwortete die Jungfrau mit großem Mut (Zorn) und ruft: "Meine
süße (liebe) Schwester Bertha", sagt sie, "komm
her und höre dieses Mannes Anliegen (höre, wer dieser Mann
ist)!" Bertha geht dorthin und fragt, was sie will. Erka antwortet:
"Hier ist nicht Sigurðr (Siegfried), wie er sagt. Er geht
jetzt entgegen (gibt zu), daß er eher (vielmehr) Graf Rudolf
ist, der Gesandte des Königs Attila. Er betrog mich und meinen
Vater, und nun vertritt er die Sache König Attilas. Geh nun zu
meinem Vater, und (man) soll ihn nun erschlagen, dafür, daß
er auf einem Feld fünfhundert Ritter meines Vaters erschlug,
und dafür soll er heute aufgehängt werden." |
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8. Neunorwegisch (1880
heute)
aus einem sprach- und landeskundlichen Werk |
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| I. Marm / A. Sommerfelt, "Norwegisch"
(1957) |
Übersetzung: |
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| Norge har en lang kyst,
og nordmennene begynte tidlig å seile på sjøen.
De hadde da ikke så store skip som vi har nå. Med de vakre
Vikingskipene seilte de helt til England og Frankrike. I moderna tid
har landet en meget stor handelsflåte, en av de største
i verden, og en kan møte norske skip på alle verdenshav.
Det norske flagget vaier i hver større havn. |
Norwegen
hat eine lange Küste, und die Norweger begannen (früh-)
zeitig, zur See zu fahren. Sie hatten damals nicht so große
Schiffe, wie wir heute haben. Mit den schönen Wikingerschiffen
segelten sie ganz bis nach England und Frankreich. In der modernen
Zeit hat das Land eine sehr große Handelsflotte, eine von den
größten in der Welt, und man kann norwegische Schiffe in
allen Welthäfen treffen. Die norwegische Flagge weht in jedem
großen Hafen. |
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9. Altschwedisch (800
1500)
a) Runeninschrift aus Gripsholm (9./10. Jahrhundert) |
überliefert auf "Ingvars Stein"
aus der Wikingerzeit
(Umschrift in lateinischen Buchstaben) |
Übersetzung: |
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| Tula lit raisa stain þinsat
sun sin Haralt bruþur Inkuars, þaiR furu trikila fiari
at kuli auk austarlarni kafu tun sunarla a Sirklanti. |
Tula
(Frauenname) ließ diesen Stein errichten zum (Gedenken an) ihren
Sohn Harald, den Bruder Ingvars. Sie fuhren tapfer in die Ferne nach
dem Golde und gaben im Osten dem Adler (zu fressen, d.h. sie töteten
viele Menschen). Sie starben im Süden, im Sarazenen-Land. |
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| b) aus dem älteren Recht von Westergötland
(um 1225) |
| Handschrift aus der Zeit um 1285 |
Übersetzung: |
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| Værþer maþer
stolen, vrækær fiæt æptir, fællir i
kæfti, fyrst skal by letæ. A grannæ skal kallæ.
Þer skulu mæþ gangæ. Leþer eight fiæt
or by, þa skal ranssakæ. Eig mughu grannær ranzsak
syniæ. Grannær skulu i garþ gangæ þæs
fyrst, ær næst ær grun a; han skal rum kallæ
ok beþez ransak. Bonde skal eig ranssak syniæ, æn
han ær sialvær hemæ. Han skal upp latæ sin
invistærhus, þæt ær kornskyæmmæ
ok matskæmmæ ok symnskæmmæ. Þe þry
æru invistarhus. En annur hus, bæþi laþa ok
nøþus, þæt heter uþus, þo at
las se firi. |
Wird
ein Mann bestohlen, folgt er der Spur nach, verliert er sie im Stall
(?), soll er das Dorf durchsuchen. Er soll die Bewohner rufen. Diese
sollen mitgehen. Leitet die Spur nicht aus dem Dorf (heraus), dann
soll (man) Hausdurchsuchung (machen). Nicht dürfen die Bewohner
die Durchsuchung verweigern. Die Bewohner sollen zuerst in den Garten
dessen gehen, der dem Verdacht am nächsten ist; ihn soll man
herausrufen und um Hausdurchsuchung bitten. Der Bauer soll die Durchsuchung
nicht verweigern, wenn er selber daheim ist. Er soll seine Wohnräume
auflassen (öffnen), das ist Kornkammer und Speisekammer und Schlafkammer.
Die drei sind Wohnräume. Aber (auch) andere Häuser, beide
(sowohl) Scheune als auch Viehstall, das heißt Außenhäuser,
sei dort auch ein Schloß davor. |
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10. Neuschwedisch (1500
heute)
aus einer Veröffentlichung des Straßburger Europaparlaments
(2002) |
| Internetseite über die Sprachen der
Europäischen Union |
Übersetzung
(von Erich Jacob):
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Några reflexioner kring svenska språket
"Ärans och hjältarnas språk, hur ädelt,
hur manligt du rör dig...". Orden är tagna ur en
dikt av den svenske nationalskalden Tegnér (1782 - 1846)
och syftar, väl inte helt oväntat, på det svenska
språket. Synd bara att alla de betydelsetunga orden i detta
utdrag inte alls är någon svenska från början
utan inlånade från lågtyskan under den period
som språkhistoriskt kallas den yngre fornsvenskans tid, alltså
ungefär 1300- och 1400-talen ...
"Swedes are among the world's best English speakers - and that
includes native Anglophones". Detta står att läsa
i en handbok i hur man bör agera inom olika nationella kulturområden
i Europa. Nu kunde man alltså sammanfatta det som sagt hittills
i en enda kort fråga, nämligen vad man då överhuvud
taget skall ha svenska språket till. Det verkar ju vara ett
sedan medeltiden halvtyskt pidginspråk som talas av personer
som ändå känner sig lika språkligt hemmastadda
i dagens lingua franca universalis, alltså engelskan. Till
allt detta kommer sedan att våra dagars svenska ibland påståtts
vara det mest engelskuppblandade av europeiska språk (man
kan ju för all del fråga sig utgående från
vilket jämförelseunderlag).
Så vad skall man med svenska språket till egentligen?
-Inget under alltså att författaren till dessa rader
i sin barndom såg en insändare i en kvällstidning
i Sverige, där grundtanken sammanfattades i dessa ord "Skrota
svenska språket"! Ändå kommer vi inte ifrån
att detta språk åtminstone fått ett officiellt
raison d' être (sit venia verbo, med avseende på lånordet)
genom Sveriges och Finlands anslutning till EU 1995.
Den aktpågivne läsaren torde ha lagt märke till
ordet "och Finland". Finland är i själva verket
det enda land i världen där svenskan har en lagfäst
ställning som landets officiella språk. Otroligt med
sant: Sverige har till dags dato inget motsvarande stadgande, även
om frågan varit uppe till diskussion (det har väl ansetts
som en konstitutionell självklarhet att Sveriges språk
är just svenska). -Än mera otroligt är kanske att
svenskan faktiskt är officiellt språk i Finland tillika,
trots att antalet svensktalande i landet uppgår till knappa
sex procent och nitton av tjugo bland dessa är bosatta antingen
i någondera av två smala kustremsor av cirka 200 km
längd och 20 km bredd eller ute på öarna, framför
allt Åland. Och det sannolikt mest obekanta faktumet är
att vi inom kort kan få ytterligare en medlemsstat i EU med
ett inslag av svenskspråkig befolkning. Det handlar då
om Estland, där ca 150 personer i dag uppger svenska som modersmål.
En liten kvarleva av de ännu före andra världskriget
åttatusen estlandssvenskarna, men dock ett tecken på
att svenska talas på båda sidor om Östersjön
och Bottniska viken.
Att svenskan är ett skandinaviskt språk kan dock inte
betvivlas. Här ligger en av dess dolda fördelarna: det
kan tjäna som bärare av en regional gemenskap. De centralskandinaviska
språken svenska, norska och danska är nämligen inbördes
begripliga till den grad att en nästan mödolös kommunikation
kan ske på sådana villkor att alla deltagare talar sitt
eget språk, om detta språk är något av de
nyssnämnda. Förstås: ett visst mått av vana
med språkligt umgänge över interskandinaviska gränser
behövs. Och det går inte heller att förneka att
mycken sådan kommunikation av i dag, enkannerligen mellan
svenskar och danskar, försiggår på engelska. Men
möjligheten finns alltså. Med kunskaper i svenska -eller
vilket annat som helst av de skandinaviska språken- får
man på regionens egna premisser (alltså utan inblandning
av ett för de lokala förhållandena främmande
språk) en inblick i den kultur- och värdegemenskap som
kallas Norden, ett område där somt av det samarbete man
först nu försöker få till stånd på
europeisk nivå redan i årtionden varit en levande verklighet.
Kanske vi där, till gott slut, kan hitta en nog så relevant
plaidoyer (återigen litet utrikiska!) för varför
exempelvis svenskan gott och vâl kunde låta sig infoga
i ett europeiskt språkinlärningsprogram.
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Einige
Betrachtungen über die schwedische Sprache
"Die Sprache der Ehre und der Helden, wie edel, wie männlich
du dich bewegst...". Die Worte sind entnommen aus einem Gedicht
vom schwedischen Nationaldichter Tegnér (1782 - 1846) und
zielen, wohl nicht ganz unerwartet, auf die schwedische Sprache.
Schade nur, daß alle die bedeutungsschweren Wörter in
diesem Auszug überhaupt kein Schwedisch sind, sondern von Anfang
an entliehen vom Niederdeutschen während der Periode, die sprachgeschichtlich
die jüngere altschwedische Zeit genannt wird, also ungefähr
im 13. und 14. Jahrhundert.
"Schweden sind unter den besten Englisch-Sprechern der Welt
und das schließt gebürtige Englisch-Muttersprachler mit
ein". Das steht zu lesen in einem Handbuch darüber, wie
man agieren muß innerhalb der verschiedenen nationalen Kulturgebiete
in Europa. Nun könnte man also das, was bisher gesagt wurde,
zusammenfassen in einer einfachen kurzen Frage, nämlich was
man da über die schwedische Sprache weismachen will. Das scheint
ja ein seit dem Mittelalter halbdeutsches Kauderwelsch zu sein,
das von Personen gesprochen wird, die sich sowieso genau so in der
heutigen freien Universalsprache, im Englischen also, sprachlich
zu Hause fühlen. Zu all diesem kommt noch, daß vom Schwedisch
unserer Tage manchmal behauptet wird, die am meisten englischverbundene
von den europäischen Sprachen zu sein (man kann sich ja jedenfalls
fragen, von welcher Vergleichsvorlage ausgehend).
Was hat man also gegen die schwedische Sprache ? Nichts weniger
also, als daß der Verfasser jener Zeilen in seiner Kindheit,
in Schweden in einer Abendzeitung einen Leserbrief gesehen hat,
wo der Grundgedanke in diesen Worten zusammengefaßt wurde:
"Verschrottet die schwedische Sprache !" Dennoch kommen
wir nicht daran vorbei, daß diese Sprache mindestens durch
den Anschluß Schwedens und Finnlunds 1995 an die EU eine offizielle
Berücksichtigung aus Vernunftsgründen (raison d'etre)
erhalten hat.
Der aufmerksame Leser sollte sein Augenmerk auf die Worte "und
Finnland" gerichtet haben. Finnland ist in Wirklichkeit das
einzige Land in der Welt, wo das Schwedische eine gesetzlich verankerte
Stellung als des Landes offizielle Sprache hat. Unglaublich, aber
wahr: Schweden hat bis zum heutigen Tage keine entsprechende Vorschrift,
wenn auch diese Frage zur Diskussion gestanden hat (Es wurde wohl
als konstitutionelle Selbstverständlichkeit angesehen, daß
Schwedens Sprache eben Schwedisch ist). Noch unglaublicher ist vielleicht,
daß Schwedisch in Finnland zugleich offizielle Sprache ist,
obgleich die Anzahl der Schwedischsprechenden im Lande nur knapp
6% beträgt und 19 von 20 unter ihnen entweder in einem von
zwei schmalen Küstenstreifen von etwa 200 km Länge und
20 km Breite oder draußen auf den Inseln, vor allem auf Åland,
wohnhaft sind. Und das wahrscheinlich am meisten unbekannte Faktum
ist, daß wir binnen kurzem in der EU einen Mitgliedsstaat
bekommen können mit einem Einschlag schwedischsprachiger Bevölkerung.
Es handelt sich um Estland, wo 150 Personen Schwedisch als ihre
Muttersprache angeben. Ein kleines Überbleibsel von den vor
dem 2. Weltkrieg noch immer 8000 Estlandschweden, aber doch ein
Anzeichen dafür, daß auf beiden Seiten der Ostsee und
des Bottnischen Meerbusens schwedisch gesprochen wird.
Daß Schwedisch eine skandinavische Sprache ist, kann doch
nicht bezweifelt werden. Hier liegt einer jener verborgenen Vorteile:
Es kann dienen als Träger einer regionalen Gemeinschaft. Die
mittelskandinavischen Sprachen Schwedisch, Norwegisch und Dänisch
sind nämlich gegenseitig so verständlich, daß fast
mühelos eine Verständigung geschehen kann unter der Voraussetzung,
daß jeder Teilnehmer seine eigene Sprache spricht, wenn diese
Sprachen welche von (unter) den eben genannten sind. Es versteht
sich: Eines gewissen Maßes Gewöhnung an sprachlichem
Verkehr über interskandinavische Grenzen hinweg bedarf es.
Und es geht auch nicht, zu bestreiten, daß sehr viele solcher
Verständigungen von heute besonders zwischen Schweden und Dänen
auf Englisch ablaufen. Aber die Möglichkeit gibt es also (infolgedessen).
Mit Kenntnissen in Schwedisch oder welcher der skandinawischen Sprachen
auch immer, bekommt man gemäß den der Region eigenen
Voraussetzungen (also ohne Einmischung einer für die örtlichen
Verhältnisse fremde Sprache) einen Einblick in die Kultur-
und Wertegemeinschaft, die man den Norden nennt, ein Gebiet,wo etliches
der Zusammenarbeit, die man jetzt erst versucht, auf europäischer
Ebene zustande zu bringen, schon seit Jahrzehnten eine gelebte Wirklichkeit
war. Vielleicht können wir zum guten Schluß
dort ein genügend relevantes Plädoyer (wiederum ein bißchen
ausländisch !) dafür finden, weshalb beispielsweise Schwedisch
sich gut und gerne in ein europäisches Sprachprogramm einfügen
lassen würde. Übersetzung:
Erich Jacob
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11. Altdänisch (800
1500)
aus dem Flensburger Stadtrecht (1284) |
| Handschrift von 1316 |
Übersetzung: |
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Skipmens ræt. Hwilk
skipman for dryk eldær sin forgløms i hauæn forlatær
skip, tha scul skipmen bithæ ham ien dyghæn. En kummær
han ei tha, tha mugh the burt faræ, oc han gialdæ til
witæ at hwært akkærhald ni ørtigh penning.
En kummæ skiprøuær til skip oc skathæ nokær
skipman eldær kastær steen i skip: han, thær burt
ær, mistæ olt hans gooz, thær i skip ær mæth
them.
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Seemanns
Recht. Welcher Seemann wegen Trinkens oder seines Verschuldens im
Hafen das Schiff verläßt, dann sollen die Seeleute einen
Tag lang auf ihn warten. Käme er dann nicht, dann dürfen
sie fort fahren, und er gelte (bezahle) zur Strafe bei jedem Ankerhalt
neun Örtig Geldes. Kämen aber Seeräuber zum Schiff
und schädigen irgendeinen Seemann oder werfen Steine in das Schiff:
Er, der fort ist, vermißte (verlöre) all sein Gut, das
im Schiff mit denen (ihnen, d.h. den anderen Seeleuten) ist. |
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12. Neudänisch (1500
heute)
aus einem sprach- und landeskundlichen Werk |
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| H.A. Koefoed, "Danish" (1958) |
Übersetzung: |
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København blev grundlagt i den tidlige middelalder af biskop
Absalon. Den udviklede sig snart til en betydelig handelsby på
grund af beliggenheden ved Øresund, der forbinder Østersøen
med verdenshavene. Navnet København betyder "købmændenes
havn", og endnu er havnen, som er anlagt mellem Sjælland
og Amager, den største og viktigste i Skandinavien.
|
Kopenhagen
wurde gegründet im zeitigen (frühen) Mittelalter durch Bischof
Absalon. Es entwickelte sich schnell zu einer bedeutenden Handelsstadt
aufgrund der Lage am Öresund, der die Ostsee mit den Weltmeeren
verbindet. Der Name Kopenhagen bedeutet "Hafen der Kaufmänner",
und noch ist der Hafen, der gelegen ist zwischen Seeland und Amager,
der größte und wichtigste in Skandinavien. |
|
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13. Angelsächsisch / Altenglisch
(700 1066)
aus Cædmons "Hymne", westsächsisch (8. Jahrhundert) |
| Handschrift aus dem 10. Jahrhundert |
Übersetzung: |
|
Nû wê sculan
herian | heofonrîces Weard,
Metodes mihte | ond his môdgeþonc,
weorc Wuldorfæder, | swâ hê wundra gehwæs,
êce Drihten | ord onstealde.
Hê ærest gescêop | eorðan bearnum
heofon tô hrôfe, | hâlig Scyppend;
ðâ middongeard | moncynnes Weard,
êce Dryhten, | æfter têode
fîrum foldan | Frêa ælmihtig.
|
Nun
sollen wir hören den Wärter des Himmelreichs,
des Herrschers Macht und seinen (Mut-) Gedanken,
das Werk des Wundervaters, wie er aller Wunder,
der ewige Herrgott, Anfang erstellte (schuf).
Erst schuf er den Kindern der Erde
den Himmel zum (als Dach), der heilige Schöpfer;
dann die Welt, der Wärter der Menschheit,
der ewige Führer, danach tat (machte) er
den Menschen die Erde, der allmächtige Herr. |
|
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14. Mittelenglisch (1066 1500)
aus einer anonymen Zeitkritik (15. Jahrhundert) |
| "On the Times", um 1450 |
Übersetzung: |
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Now ys Yngland alle in
fyght,
Moche peple of consyens lyght,
Many knyghtes, and lytyl of myght,
Many lawys, and lytylle ryqht;
Many actes of parlament,
And few kept wyth tru entent;
Lytylle charyté and fayne to plese;
Many a galant penyles,
And many a wondurfulle dysgyzyng
By umprudent and myssavysyng;
Grete countenanse and smalle wages,
Many gentillemen and few pages;
Wele besene and strong thevys
Moch bost of there clothys,
But wele I wot they lake none othys.
|
Nun ist ganz England im Kampf,
viele Menschen von leicht (-fertigem) Gewissen,
viele Ritter, und wenig Macht,
viele Gesetze, und wenig Recht.
Viele Verordnungen des Parlaments,
und wenige eingehalten mit ehrlicher Achtung;
wenig Wohltätigkeit und guter Wille zu gefallen,
viel Ritterliches ohne Geld,
und viel wundervolle Verstellung
durch Unüberlegtheit und schlechter Beratung.
Große Haltung und kleine Löhne,
viele edle Herren und wenige Pagen;
Wohl angesehene und starke Diebe,
viel Angeberei mit der Kleidung,
wohl aber wußte ich, daß ihnen Eide nicht fehlen (d.h.
daß
ihnen Schwüre nichts bedeuten).
|
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15. Frühneuenglisch (1500
1750)
aus dem Vorwort zur englischen Übersetzung von Vergils "Aeneis"
(1490) |
| von William Caxton (1422 - 1491), dem Gründer
der ersten Druckerei in England |
Übersetzung: |
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And that comyn Englysshe that is spoken in one shyre varyeth from
a nother. In so moche that in my dayes happened that certayn marchauntes
were in a shippe in Tamyse, for to haue sayled ouer the see into
Zelande, and for Iacke of wynde thei taryed atte Forlond, and wente
to lande for to refreshe them; And one of theym named Sheffelde,
a mercer, cam in-to an hows and axed for mete; and specyally he
axyd after eggys; And the goode wyf answerde, that she coude not
speke no Frenshe. And the marchaunt was angry, for he also coude
speke no Frenshe, but wolde haue hadde egges, and she vnderstode
hym not. And thenne at laste a nother sayd that he wolde haue eyren;
then the good wyf sayd that she vnderstod hym wel.
|
Und
das gewöhnliche Englisch, das in einer Landschaft gesprochen
wird, variiert von einem anderen in so vielem, daß es in meinen
Tagen geschah, daß gewisse Kaufleute in einem Schiff auf der
Themse waren, um hinüber nach Seeland zu segeln. Und aus Mangel
an Wind wurden sie an der Küste unruhig; und gingen an Land,
um sich zu erfrischen. Und einer von ihnen, names Sheffelde, ein Tuchhändler,
kam in ein Haus, und er fragte nach Fleisch, und speziell fragte er
nach Eiern. Und das gute Weib antwortete, daß sie kein Französisch
sprechen könne. Und der Kaufmann war wütend, denn auch er
konnte kein Französisch sprechen, wollte abe Eier haben; und
sie verstand ihn nicht. Und dann endlich sagte ein anderer, daß
er Eier haben wollte. Darauf sagte die gute Frau, daß sie ihn
gut verstünde. |
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16. Altniederfränkisch /Altniederländisch
(800 1100)
aus den altniederfränkischen Psalmenfragmenten (9. Jahrhundert) |
| Überlieferung durch spätere Abschriften |
Übersetzung: |
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| 1. Sâlig man ther
niuueht vôr in gerêde ungenêthero, ende in uuege
sundigero ne stunt inde in stuole sufte ne saz; 2. navo in êuun
godes uuille sîn: inde in êuuun sînro thenken sal
dages inde nahtes. 3. Inde uuesan sal alsô holz that gesazt
uuart bi fluzze uuazzero, that uuahsemon sînon gevan sal in
stunden sînro; inde louf sîn niuuiht nitherfallan sal,
inde alla sô uuelîh sô duen sal gesunt uuerthan
sulen. |
Selig
der Mann, der nicht geriet in den Rat der Ungnädigen, und (der)
auf dem Weg der Sünder nicht stand und auf dem Stuhl der Spötter
nicht saß. 2. sondern (der) Gefallen findet am Willen Gottes,
und in Ewigkeit seiner gedenken soll des Tages und nachts.3. Und (der)
sein soll wie ein Holz (Baum), das gesetzt wurde am fließenden
Wasser, das ihm Gewächse (Früchte) geben soll in seinen
Stunden (zu seiner Zeit); und sein Laub soll nicht niederfallen, und
alle, welche so tun, sollen gesund werden. |
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17. Mittelniederländisch (1100
1500)
aus dem Tierepos "Van den vos reynaerde" (um 1250) |
| Handschrift aus dem 14. Jahrhundert |
Übersetzung: |
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Ysingrijn begonste saen
Ende sprac: Coninc heere,
Dor u edelheit en dor u eere
Ende dor recht ende dor ghenade
Ontfaerme u miere scade,
Die mi Reynaert heeft ghedaen,
Daer ic af dicken hebbe ontfaen
roeten lachter ende verlies.
Voer al dandre ontfaerme u dies,
Dat hi mijn wijf hevet verhoert,
Ende mine kindre so mesvoert,
Dat hise beseekede daer si laghen,
Datter twee noint ne saghen
Ende so worden staerblent.
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Isegrim
begann zu sagen (reden)
und sprach: König, Herr,
mit Eurem Edelmut und Eurer Ehre
und mit dem Recht und der Gnade,
erbarmt Euch des großen Schadens,
den mir Reinecke (an-) getan hat,
wodurch ich reichlich empfangen habe
böses Gelächter und Verlust.
Vor allem anderen erbarmt Euch dessen,
daß er mein Weib geschändet ("zur Hure gemacht")
hat,
und meine Kinder so mißhandelt,
daß er sie beseichte, als sie da lagen,
so daß zwei von ihnen seither nicht mehr sahen
und so ganz blind wurden. |
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18. Frühneuniederländisch
(1500 1700)
aus dem Prolog zu einer flämischen Rechtsakte (um 1470) |
| Genter Handschrift aus dem 16. Jahrhundert |
Übersetzung: |
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| Een jonckman quam voor
een chasteel gaende ende ter valbrugghen vant hii staende drie rudders
wit ghecleet. Hy ghinc voort up den wal. Daer vant hii drie rudders
zwart ghecleet. Voort ghinc hij tot in de sale daer hii vant drie
rudders root ghecleet. Ende van daer ghinc hij voort toot in de eetcamere.
Daer vant hii sittende een scone joncvrauwe die eenen ouden man //
hadde ligghende in haren scoet. Doen vraechde haer den jonghen man
wye die drie rudders waren die hii wit ghecleet vant staende ter valbrugghen. |
Ein
junger Mann kam zu einem Kastell (Schloß), und als er auf die
Fallbrücke (Zugbrücke) zuging, fand er drei weiß gekleidete
Ritter stehen. Er ging weiter den Wall hinauf. Da fand er drei schwarz
gekleidete Ritter. Weiter ging er bis in den Saal, dort fand er drei
rot gekleidete Ritter. Und von da ging er weiter bis in die Essenskammer.
Dort fand er eine schöne Jungfrau sitzend, die einen alten Mann
auf ihrem Schoß liegen hatte. Darauf fragte der junge Mann sie,
wer die drei Ritter wären, die er weiß gekleidet an der
Fallbrücke stehend getroffen hatte. |
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19. Neuniederländisch (1700
heute)
aus einer Veröffentlichung des Straßburger Europaparlaments
(2002) |
| Internetseite über die Sprachen der
Europäischen Union |
Übersetzung: |
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| Het Nederlands (in allerlei
varianten, waaronder het Vlaams en het Afrikaans) wordt door meer
dan 20 miljoen mensen gesproken die de buren zijn van meer of minder
verre taalverwanten. Volgens een oer-Hollands spreekwoord "is
een goede buur beter dan een verre vriend", maar met de moderne
communicatie- en transportmiddelen zijn alle Europeanen buren geworden.
Liefde voor de buren kan ontluiken door liefde voor hun taal. Dus
leer hun taal en maak van buren vrienden! Karel V - Europeaan van
het eerste uur - kon het niet treffender zeggen: Even zovele mensen
ben je weerd als je talen hebt geleerd. |
Das
Niederländische (in mehrern Varianten, darunter Flämisch
und Afrikaans) wird von mehr als 20 Millionen Menschen gesprochen,
die Nachbarn von mehr oder weniger entfernten Sprachverwandten sind.
Einem altholländischen Sprichwort zufolge "ist ein guter
Nachbar besser als ein ferner Freund", aber durch die modernen
Kommunikations- und Transportmittel sind alle Europäer Nachbarn
geworden. Liebe zu den Nachbarn kann aufblühen durch die Liebe
zur ihrer Sprache. Darum lernt ihre Sprache und macht aus Nachbarn
Freunde! Karl V. ein Europäer der ersten Stunde
konnte es nicht treffender sagen: Du bist genau so viele Menschen
wert, wie du Sprachen gelernt hast. |
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20. Altsächsisch
(700 1200)
aus dem "Heliand" (um 830) |
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| Beruhigung des Sturmes auf See (Abschnitt
27) |
Übersetzung: |
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[...] Thuo bigan
thes uuedares craft,
ûst up stîgan, | ûðiun uuahsan;
suang gisuerc an gimang: | thie sêu uuarð an hruoru,
uuan uuind endi uuater; | uueros sorogodun,
thiu meri uuarð sô muodag, | ni uuânda thero
manno nigên
lengron lîves. | Thuo [sia] landes uuard
uuekidun mid iro uuordon | endi sagdun im thes uuedares craft,
bâdun that im ginâðig | neriendi Crist
uurði uuið them uuatare: | "eftha uui sculun hier
te uunderquâlu
sueltan an theson sêuue." | Self upp arês
thie guodo godes suno | endi te is iungron sprak,
hiet that sia im uuedares giuuin | uuiht ni andrêdin:
"te huî sind gi sô forhta?" quathie. |
"Nis iu noh fast hugi,
gilôvo is iu te luttil. | Nis nu lang te thiu,
that thia strômos sculun | stilrun uuerðan
[gi thit] uuedar uunsam." [...] |
Da
begann die Kraft des Wetters
wüst aufzusteigen, die Wellen (begannen zu) wachsen;
schwere Wolken durcheinander, die See kam in Aufruhr,
denn Wind und Wasser wehrten sich gegeneinander,
das Meer wurde so wild, daß keiner der Männer glaubte,
länger zu leben. Da weckten sie den Herrn des Landes
mit ihren Worten und erzählten ihm von des Wetters Kraft,
baten, daß ihnen der nährende (gütige) Christus
gnädig
würde mit dem Wasser: "Oder wir werden unter Qualen
an dieser See sterben." (Er) selber stand auf,
der gute Sohn Gottes, und sprach zu seinen Jüngern,
hieß sie, die Macht des Wetters nicht zu fürchten:
"Warum seid ihr so furchtsam", fragte er, "euer
Vertrauen
ist noch nicht fest, euer Glaube ist noch klein, es ist nun
nicht (mehr) lange hin, daß die Ströme still werden
sollen
und das Wetter freundlich." |
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21. Mittelniederdeutsch (1200
1600)
a) aus dem "Sachsenspiegel" des Eike von Repgow (um 1230) |
| Vorwort aus der mnd. Berliner Handschrift
(1369) |
Übersetzung: |
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| Got, die dar is begin
unde ende aller dinge, de makede to irst hemel unde erde, unde makede
den minschen binnen ertrike, unde satte ine in dat paradies; die gebrak
den gehorsam uns allen to scaden. Dar umme ginge wie irre alse de
hirdelosen schape bit an die thied, dat he uns irloste mit siner matere.
Nu aver we bekart sin unde uns got weder geladet hevet, nu halde we
sine e unde sin gebot, dat sine wiessagen uns geleret hebbet unde
geistlike gude lüde, unde ok kerstene konige gesat hebbet. |
Gott,
der da der Beginn und das Ende aller Dinge ist, der machte zuerst
Himmel und Erde, und er machte innerhalb des Erdenreichs den Menschen
und setzte ihn in das Paradies. Der brach zu unser aller Schaden den
Gehorsam. Darum gingen wir irre (d.h. orientierungslos) wie hirtenlose
Schafe bis zu der Zeit, daß (als) er uns erlöste mit seiner
Güte. Nun aber, da wir bekehrt sind und uns Gott wieder geleitet
hat, nun halten wir sein Gesetz und sein Gebot ein, das seine Weissagungen
uns gelehrt und gute geistliche Leute und auch christliche Könige
uns gesetzt haben. |
| |
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| b) aus dem Tierepos "Reynke de Vos"
(1498) |
|
| Lübecker Frühdruck, Verfasser
unbekannt |
Übersetzung: |
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Wo de lauwe, konnynck
aller deren, leeth uthkreyeren unde vasten vrede uthropen unde leet
beden allen deren, to synem hove tho komen.

Dat erste capittel.

Id gheschach up eynen pynxstedach,
Datmen de wolde unde velde sach
Grone staen myt loff unde gras,
Unde mannich fogel vrolich was
Myt sange in haghen unde up bomen;
De kruede sproten unde de blomen,
De wol roeken hir unde dar;
De dach was schone, dat weder klar.
Nobel, de konnynck van allen deren,
Held hoff unde leet den uthkreyeren
Syn lant dorch over al.
Dar quemen vele heren myt grotem schal,
Ok quemen to hove vele stolter ghesellen,
De men nicht alle konde tellen:
Lütke de kron unde Marquart de hegger;
Ja, desse weren dar alder degger
Wente de konnynck myt synen heren
Mende to holden hoff myt eren,
Myt vrouden unde myt grotem love
Unde hadde vorbodet dar to hove
Alle de dere, groet unde kleyne
Sunder Reynken den vos alleyne;
He hadde in den hoff so vele myßdan,
Dat he dar nicht endorste komen noch gan.
De quad deyt, de schuwet gern dat lycht;
Alzo dede ok Reynke, de boezewycht:
He schuwede sere des konnynges hoff,
Dar in he hadde seer krancken loff. |
Wie
der Löwe, König aller Tiere, ließ bekanntmachen und
festen Frieden ausrufen und allen Tieren entbieten ließ, zu
seinem Hof zu kommen.

Das erste Kapitel.

Es geschah an einem Pfingsttag,
daß man die Wälder und Felder sah
grün stehen mit Laub und Gras,
und mancher Vogel war fröhlich
mit Gesang in Hecken und Bäumen.
Die Kräuter sprossen und die Blumen,
die wohl (angenehm) rochen hier und da.
Der Tag war schön, das Wetter klar.
Nobel, der König von allen Tieren,
hielt Hof und ließ das hinausschreien (ausrufen)
überall durch sein Land.
Da kamen viele Herren mit großem Schall,
auch kamen zum Hof viele stolze Gesellen,
die man nicht alle zählen konnte:
Lütke der Kranich und Marquart der Häher;
ja, diese waren da alle versammelt,
denn der König mit seinen Herren,
meinte (wollte) Hof zu halten mit Ehren,
mit Freuden und mit großem Lob,
und hatte aufgeboten da bei Hofe
alle die Tiere, große und kleine,
allein ohne Reinecke, den Fuchs (nur er war nicht da).
Er hatte gegen den Hof so viel mißgetan (verbrochen),
daß er nicht wagte zu kommen noch (dahin) zu gehen.
Wer Böses tut, der scheut gerne das Licht;
genauso tat (es) auch Reinecke, der Bösewicht:
Er scheute sehr den Hof des Königs,
wo er sehr krankes Lob (schlechten Ruf) hatte. |
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22. Neuniederdeutsch (1600
heute)
aus dem Grimm'schen Märchen "Der Hase und der Igel" |
| niederdeutsche Übertragung von Wilhelm
Schröder (1840) |
Übersetzung: |
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Et wöör an einen Sündagmorgen tor Harvesttied, jüst
as de Bookweeten bloihde: de Sünn wöör hellig upgaen
am Hewen, de Morgenwind güng warm över de Stoppeln, de
Larken süngen inn'r Lucht, de Immen sumsten in den Bookweeten
un de Lühde güngen in ehren Sündagsstaht nah'r Kerken,
un alle Kreatur wöör vergnögt, un de Swinegel ook.
De Swinegel aver stünd vör siener Döhr, harr de Arm
ünnerslagen, keek dabi in den Morgenwind hinut un quinkeleerde
en lütjet Leedken vör sick hin, so good un so slecht,
as nu eben am leewen Sündagmorgen en Swinegel to singen pleggt.
|
Es
war an einem Sonntagmorgen zur Herbstzeit, gerade als der Buchweizen
blühte: die Sonne war hell am Himmel aufgegangen, und der Wind
ging warm über die Stoppeln, die Lerchen sangen hoch in der
Luft, die Bienen summten im Buchweizen, und die Leute gingen in
ihrem Sonntagsstaat zur Kirche, und alle Geschöpfe waren vergnügt,
auch der Igel.
Der Igel aber stand vor seiner Tür, hatte die Arme verschränkt,
er guckte in den Morgenwind hinaus und trällerte ein kleines
Liedchen vor sich hin, so gut und so schlecht wie am lieben Sonntagmorgen
ein Igel eben zu singen pflegt.
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23. Altfriesisch (1200
1600)
aus dem friesischen "Westerlauwer Recht" (14. Jahrhundert) |
| über das Wehrgeld für einen Erschlagenen
Mann |
Übersetzung: |
|
| Djt is riocht: aldeer
di fria Fresa en oerem iult, soe aegh hi him ti biedane twa pond toe
iouwen, dat hij riochte ielda oenfaen wille. Soe ist riocht ield achte
pund ende tiaen eynza ende fiouwertundiste thremene pannyng. [...]
Nv scel ma se del dae megum. So schel di broer habba een pund, ief
hi deer is. Ief hi deer naet is, soe schel hit nyma sijns broers soene
iefta siner sister sone. Ief hiara nauwer deer nis, soe scelt nyma
di eerfnama self. Nv aegh di fedria niogen enza, ief hy deer is. Ief
hi deer naet is, soe aegh hit zijn bern iefta zijn sisterbern. |
Dies
ist Recht: Wenn der freie Friese einen anderen abgilt (d.h. für
ihn Wergeld bezahlt, nachdem er ihn erschlagen hat), so soll er ihm
(dem Erben) zwei Pfund zum Geschenk anbieten, daß (damit) er
das rechtliche Wergeld annehmen wolle. So ist das gesetzliche Wergeld
acht Pfund und zehn Unzen und dreizehneindrittel Pfennige. [...] Nun
soll man sie (zwischen) den Verwandten (auf-) teilen. So soll der
Bruder ein Pfund haben, wenn einer da ist. Wenn keiner da ist, so
soll es der Sohn seines Bruders oder der Sohn seiner Schwester nehmen.
Wenn keiner von ihnen da ist, so soll es der Erbnehmer selbst nehmen.
Nun gehören dem Vatersbruder neun Unzen, wenn er da ist. Wenn
keiner da ist, so gehört es seinem Kind oder seinem Schwesterkinde. |
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24. Neufriesisch (1600
heute)
Lied "Laßt uns unser Friesisch bewahren!" von Lorenz
Conrad Peters (1885 - 1949) |
| in der nordfriesischen Mundart der Insel
Föhr |
Übersetzung: |
|
Loonslidj, huuch a harten!
Rüme´m ej at fial,
stridj ´em för jaw hiligst, wertfolst arewdial!
Hoker det ej aachtet, de fertiinet sliak.
Frinjer, let´s bewaare üsens fering spriak!
Al för düüsen juaren hiard jü üsens stam.
Do al liard a jongen fering faan a mam,
An nü skul det sterew, skul ferwei üs riak?
Frinjer let´s bewaare üsens fering spriak!
Jü ter her ej skööme, as so smok an rik,
Klangt üs, hiar´f her bütjlun, sweter üs musik.
Oler skal jü swiige, ej iar´f stom an bliak!
Frinjer let´s bewaare üsens fering spriak! |
Landsleute,
hoch die Herzen! Räumt nicht das Feld,
Streitet für euer heiligstes, wertvollstes Erbteil!
Wer das nicht achtet, der verdient Schläge.
Freunde, lasst uns bewahren unsere föhringer Sprache! Schon vor
tausend Jahren gehörte sie unserem Stamm.
Da schon lernten die Kinder Föhring von der Mutter,
Und jetzt sollte das sterben, sollte verwehen wie Rauch?
Freunde, lasst uns bewahren unsere föhringer Sprache!
Sie braucht sich nicht schämen, ist so schön und reich,
Klingt uns, hören wir sie im Ausland, süßer als Musik.
Niemals soll sie schweigen, ehe wir stumm und bleich!
Freunde, lasst uns bewahren unsere föhringer Sprache! |
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25. Althochdeutsch (700
1050)
a) alemannisches "Vaterunser" (8. Jahrhundert) |
|
| Handschrift St. Gallen, Text: Matthäus
VI., 9 - 13 |
Übersetzung: |
|
| Fater unsêr, thû
pist in himile, uuîhi namun dînan, qhueme rîhhi
dîn, uuerde uuillo diin, sô in himile sôsa in erdu.
Prooth unsêr emezzihic kip uns hiutu, oblâz uns sculdi
unsêro, sô uuir oblâzêm uns sculdîkêm,
enti ni unsih firleiti in khorunka, ûzzer lôsi unsih fona
ubile. |
Vater
unser, (der) du bist im Himmel, weihe deinen Namen, komme dein Reich,
werde dein Wille, wie im Himmel, so (auch) auf der Erde.Unser regelmäßiges
Brot gib uns heute, erlasse uns unsere Schuld, wie wir (sie) erlassen
unseren Schuldnern, und verleite uns nicht in Versuchung, (aus-) löse
uns von dem Übel. |
| |
|
| b) aus der Übersetzung der Schrift "Contra
Iudeos" des Isidor von Sevilla (* 560, 636) (um 790) |
| Handschrift eines unbekannten (lothringischen?)
Übersetzers |
Übersetzung: |
|
Hear quhidit umbi dhea
bauhnunga dhero dhrioheideo gotes
1. Araugit ist in dhes aldin uuizssodes boohhum, dhazs fater endi
sunu endi heilac gheist got sii.
2. Oh dhes sindun unchilaubun Iudeoliudi, dhazs sunu endi heilac gheist
got sii, bidhiu huuanda sie chihordon gotes stimna hluda in Sinaberge
quhedhenda: "Chihori dhu, Israhel, druhtin got dhin ist eino
got."
3. Unbiuuizssende sindun, huueo in dheru dhrinissu sii ein got: fater
endi sunu endi heilac gheist, nalles sie dhrie goda, oh ist in dhesem
dhrim heidem ein namo dhes unchideiliden meghines.
4. Suohhemes nu auur in dhemu aldin heileghin chiscribe dhesa selbun
dhrinissa.
5. In dhemu eristin deile chuningo boohho sus ist chiuuisso chiscriban:
"Quhad Dauid Isais sunu, quhad gomman, dhemu izs chibodan uuard
umbi christan Iacobes gotes, dher erchno sangheri Israhelo: Gotes
gheist ist sprehhendi dhurah mih, endi siin uuort ferit dhurah mina
zungun."
6. Endi saar, dhar after offono araughida, huuer dher gheist sii,
dhuo ir quhad: "Israhelo got uuas mir zuo sprehhendi, dher rehtuuisigo
manno uualdendeo strango Israhelo."
7. Dhar ir quhad "christ Iacobes gotes", chiuuisso meinida
ir dhar sunu endi fater.
|
Hier
spricht (man) über die Kennzeichen der Dreifaltigkeit Gottes
1. Vor Augen geführt ist den Büchern des alten Gesetzes
(Testaments), daß Vater und Sohn und der heilige Geist Gott
seien.
2. Trotzdem sind die Judenleute ungläubig, daß der Sohn
und der heilige Geist Gott seien, weil sie hörten Gottes Stimme
laut auf dem Berg Sinai, sprechend: "Höre du, Israel, der
Herr, dein Gott, ist ein Gott."
3. Sie sind unwissend, wie in dieser Dreiheit ein Gott sei: Vater
und Sohn und heiliger Geist sind durchaus nicht drei Götter,
denn in diesen drei Wesen ist ein Name derselben ungeteilten
Macht.
4. Suchen wir nun aber in der alten heiligen Schrift diese selbe Dreiheit.
5. In dem ersten Teil vom Buch der Könige ist folgendes gewiß
geschrieben: "Es sprach David, der Sohn Isais, es sprach (also)
der Mann, dem es geboten (geoffenbart) worden war über den Gesalbten
von Jakobs Gott, (es sprach) der berühmte Sänger Israels:
Gottes Geist ist sprechend (spricht) durch mich, und sein Wort fährt
durch meine Zunge."
6. Und gleich, nachdem offen vor Augen geführt war, wer der Geist
sei, da sprach er: "Der Gott Israels war zu mir sprechend (sprach
zu mir), der stark über die rechtgläubigen Männer Israels
Waltende."
7. Als er sagte "der Gesalbte des Gottes Jakobs", da meinte
er gewiß (wahrhaftig) den Sohn und den Vater. |
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| c) aus dem "Älteren Physiologus"
(um 1050/70) |
|
| anonyme Übersetzung einer griechischen
Vorlage (2. Jh.) |
Übersetzung: |
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| <DE LEONE> Hier
begin ih einna reda umbe diu tier uuaz siu gesliho bezehinen. Leo
bezehinet unserin trohtin turih sine sterihchi. Unde bediu uuiret
er ofto an heligero gescrifte genamit. Tannan sagit iacob to er namæta
sinen sun iudam. Er choat: iudas min sun ist uuelf des leuin. Ter
leo hebit triu dinc ann imo, ti dir unserin trotinin bezeichenint.
Ein ist daz soser gat in demo uualde, un er de iagere gestincit, so
uertiligot er daz spor mit sinemo zagele, ze diu daz sien ni ne uinden.
So teta unser trotin to er an der uuerilte mit menischon uuaz, ze
diu daz ter fient nihet uerstunde, daz er gotes sun uuare. |
Vom
Löwen. Hier beginne ich eine Rede über die Tiere, was sie
geistlich bezeichnen (bedeuten). Der Löwe bezeichnet unseren
Herrn durch seine Stärke. Und deshalb wird er oft in der heiligen
Schrift genannt. So sagte (es) Jakob, als seinen Sohn Judas nannte.
Er spricht: Judas, mein Sohn, ist ein Welpe des Löwen. Der Löwe
hat drei Dinge an sich, die dir unseren Herrn bezeichnen. Eines ist,
daß wenn er im Wald (umher-) geht, und (wenn) er die Jäger
wittert (gestincit, wörtl. "stinkt, riecht"), dann
vertilgt er die Spur mit seinem Schwanz, damit sie ihn nicht finden.
So tat (machte es) unser Herr, als er in der Welt mit den Menschen
war, damit der Feind nicht verstünde, daß er Gottes Sohn
wäre. |
|
|
26. Mittelhochdeutsch (1050
1450)
a) aus der "Kaiserchronik" (1147/55) |
| in vielen Handschriften verbreitete "Weltgeschichte" |
Übersetzung: |
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Der Kreuzzug Gottfrieds von Bouillon

Under diu chom daz zît,
daz der herzoge Gotfrit
huop sich ze dem hailigen grabe.
er verliez alle sîne habe
dem wâren gote zêren.
vil was der hêrren
die sich mit im ûz huoben.
durch Ungeren si dô vuoren,
dannen durch Pulgrîe,
durch die wuosten Rumenîe.
der haiden craft
flôch ze Antîoch in die stat,
der herzoge dar vur saz.
ain haiden dô dâ inne was,
gehaizen was er Mîlîân,
der nemahte der state niht hân ,
daz er sich erlôste.
die haiden in dô wol trôsten;
si baiten aver ze lange.
der vurste wart gevangen,
die sîne wurden alle samt erslagen,
die burc er in nôtsturmes an gewan.
|
Der Kreuzzug Gottfrieds von Bouillon

Unterdessen kam die Zeit,
daß der Herzog Gottfried
sich zu dem heiligen Grab hob (erhob, aufmachte).
Er verließ alle seine Habe (Besitz)
dem wahren Gott zu Ehren.
Es waren viele Herren,
die mit ihm aufbrachen.
Durch Ungarn fuhren sie damals,
von da aus durch Bulgarien,
durch das wüste Rumänien.
Die Armee der Heiden
floh nach Antiochia in die Stadt,
der Herzog saß davor (belagerte sie).
Ein Heide war darinnen,
der Milian genannt wurde,
der hatte nicht die Möglichkeit,
die Stadt zu erlösen.
Da trösteten ihn die Heiden.
Sie warteten aber zu lange,
der Fürst wurde gefangen,
die Seinen (seine Leute) wurden allesamt erschlagen
die Festung gewann (eroberte) er durch kriegerische
Erstürmung.
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| b) Gedicht "Unter der linden"
(um 1200) |
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| politisches Lied Walthers von der Vogelweide |
Übersetzung: |
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Ich saz ûf eime steine
und dahte bein mit beine.
dar ûf satzt ich den ellenbogen,
ich hete in mîne hand gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.
dô dâhte ich mir vil ange,
wie man zer werlte solte leben.
deheinen rât kond ich gegeben.
wie man driu dinc erwurbe,
der keines niht verdurbe.
diu zwei sint êre und varnde guot,
daz dicke ein ander schaden tuot;
daz dritte ist gotes hulde,
der zweier übergulde .
die wolte ich gerne in einen schrîn.
jâ leider des enmac niht sîn,
daz guot und werltlich êre
und gotes hulde mêre
zesamene in ein herze komen.
stîg unde wege sint in benomen:
untriuwe ist in der sâze,
gewalt vert ûf der strâze,
fride unde reht sint sêre wunt.
diu driu enhabent geleites niht, diu zwei enwerden ê gesunt.
|
Ich saß auf einem Steine
und bedeckte (das eine) Bein mit (dem anderen) Bein,
darauf setzte ich den Ellenbogen,
ich hatte in meine Hand geschmiegt
das Kinn und eine meiner Wangen.
So dachte ich lange darüber nach,
wie man in der Welt leben sollte.
Keinen Rat konnte ich geben,
wie man drei Dinge erwürbe (erwerben könnte),
(so) daß keines von ihnen verdürbe.
Die (ersten) zwei sind Ehre und beweglicher Besitz,
die einander sehr Schaden antun (unvereinbar sind).
Das dritte ist die Huld Gottes,
noch goldener (wertvoller) als die zwei (anderen).
Die drei wollte ich gerne in einen Schrein (zusammentun).
Doch leider kann das nicht sein,
daß Gut (Besitz) und weltliche Ehre
und Gottes Huld mehr (noch dazu)
zusammen in ein Herz kommen.
Steige und Wege sind ihnen benommen (verwehrt):
Untreue ist auf der Lauer (sâze, wörtl. "Sitz, Wohnsitz"),
Gewalt fährt (regiert) auf der Straße.
Friede und Recht sind sehr verwundet.
Die drei haben kein Geleit (Schutz), ehe nicht diese zwei gesund
werden (sich bessern).
|
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| c) aus der Schrift "Von der Erkenntnis der Wahrheit"
(um 1250) |
| Traktat des Mystikers David von Augsburg
(1200 - 1272) |
Übersetzung: |
|
| Diu oberiste saelekeit
der krêatûre, diu nâch gote gebildet ist, diu lît
an der lûtern erkantnüsse der oberisten wârheit,
diu got selbe ist: daz man in ob allen dingen minne unde mit der minne
in in verwandelt werde als daz viwer in sich verwandelt die materje,
an die ez sich geheftet. In mac aber niemen rehte geminnen wan der
in reht erkennet. Ez ist drîerleie erkantnüsse. Diu êrste
ist mit dem gelouben, diu ander mit der verstantnüsse, diu dritte
in der gesihte ; diu ist diu volkomeniste, dâ lît diu
ganze saelekeit an. Sô diu verstantnüsse ie groezer ist
, sô diu minne ie kreftiger ist, wan got ist sô guot,
daz in niemen erkennet, ern müeze in auch minnen. |
Die
oberste Seligkeit der Kreatur, die Gott nachgebildet ist, die liegt
in der lauteren Erkenntnis der obersten Wahrheit, die Gott selber
ist: Daß man ihn über alles lieben soll und durch die Liebe
zu ihm verwandelt wird, wie das Feuer in sich die Materie verwandelt,
an die es sich heftet (die es verbrennt). Ihn kann aber niemand richtig
lieben außer demjenigen, der ihn richtig erkennt. Es sind (es
gibt) dreierlei Erkenntnis: Die erste ist (liegt) im Glauben, die
andere (zweite) im Verständnis (Verstand), die dritte in der
Anschauung; diese ist die vollkommenste, darin liegt die ganze (vollkommene)
Seligkeit. Je größer das Verständnis ist, desto kräftiger
ist die Liebe, denn Gott ist so gut, daß niemand, der ihn erkennt,
ihn nicht auch lieben müßte. |
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| d) aus dem Lied "Es fuegt sich"
(1416) |
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| Strophe 1, von Oswalds von Wolkenstein (1377
- 1445) |
Übersetzung: |
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Es fuegt sich, do ich
was von zehen jaren alt,
ich wolt besehen, wie die welt wär gestalt.
mit ellend, armuet mangen winkel haiss und kalt
hab ich gepaut pei cristen, kriechen, haiden.
Drei pfenning in dem peutel und ain stücklin prot
das was von haim mein zerung, do ich loff in not.
von fremden freunden so hab ich manchen tropfen rot
gelassen seider, dass ich want verschaiden.
Ich loff zu fuess mit swärer puess, pis das mir starb
mein Vater zwar, wol vierzen jar, nie ross erwarb,
wann ains raubt, stal ich halbs zumal mit valber varb
und des geleich schied ich davon mit laide.
Zwar renner, koch so was ich doch und marstallär,
auch an dem rueder zoch ich zue mir, das was swär,
in Kandia und anderswa auch wider här.
vil mancher kitel was mein pestes klaide.
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Es
fügte sich, als ich zehn Jahre alt war,
ich wollte sehen, wie die Welt gestaltet (beschaffen) wäre.
In Elend, in Armut, in manchem heißen und kalten Winkel
habe ich gewohnt bei Christen, Griechen und Heiden.
Drei Pfennige im Beutel und ein Stückchen Brot,
das war meine Zehrung, als ich in Not lief (geriet).
Von falschen Freunden habe ich manchen Tropfen rot (Blut)
seither gelassen, so daß wähnte, verscheiden zu müssen.
Ich lief zu Fuß mit schwerer Buße. Bis daß mir starb
mein Vater - wohl als ich 14 war -, erwarb ich nie ein Ross,
nur eines raubte ich halbwegs, halb stahl ich es, einen Falben
und desgleichen schied ich mit Leid wieder davon.
Fürwahr, ich war Laufbursche, Koch und auch Stallknecht,
und am Ruder zog ich (Galeerenruderer!), das war schwer,
nach Kreta und anderswohin, (und) auch wieder her.
Oft war mancher Kittel mein bestes Kleid. |
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27. Frühneuhochdeutsch
(1450 1650)
a) aus dem "Sendbrief vom Dolmetschen" (1530) |
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| von Martin Luther (1483 - 1546) |
in heutigem Deutsch: |
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| Als wenn Christus spricht:
Ex abundantia cordis os loquitur. Wenn ich den Eseln sol folgen, die
werden mir die buchstaben furlegen, und also dolmetzschen: Auß
dem uberflus des hertzen redet der mund. Sage mir, Ist das deutsch
geredt? Welcher deutscher verstehet solchs? Was ist uberflus des hertzen
fur ein ding? Das kan kein deutscher sagen, Er wolt denn sagen, es
sey das einer allzu ein gros hertz habe oder zu vil hertzes habe,
wie wol das auch noch nicht recht ist: denn uberflus des hertzen ist
kein deutsch, so wenig, als das deutsch ist, Uberflus des hauses,
uberflus des kacheloffens, uberflus der banck, sondern also redet
die mutter ym haus und der gemeine man: Wes das hertz vol ist, des
gehet der mund uber, das heist gut deutsch geredt, des ich mich geflissen,
und leider nicht allwege erreicht noch troffen habe, Denn die lateinischen
buchstaben hindern aus der massen, seer gut deutsch zu reden. |
Wenn
Christus etwa spricht: "Ex abundantia cordis os loquitur".
Wenn ich den Eseln folgen soll, werden die mir den Wortlaut genau
auslegen, und also übersetzen: Aus dem Überfluß des
Herzens redet der Mund. Sage mir, ist das deutsch geredet? Welcher
Deutsche versteht so etwas? Was ist "Überfluß des
Herzens" für ein Ding? Das kann kein Deutscher sagen, es
sei denn, daß einer ein zu großes Herz oder zuviel Herz
hätte, obwohl das auch noch nicht richtig wäre: Denn "Überfluß
des Herzens" ist kein Deutsch, so wenig wie es Deutsch wäre,
(zu sagen) "Überfluß des Hauses", "Überfluß
des Kachelofens", "Überfluß der Bank"; sondern
so redet die Mutter im Haus und der normale Mensch: Wessen Herz voll
ist, dem geht der Mund über das heißt gut
Deutsch reden, und daran habe ich mich zu halten versucht, auch wenn
ich es leider nicht überall erreicht und nicht immer getroffen
habe, denn die lateinische Sprache hindert einen dermaßen daran,
wirklich gutes Deutsch zu reden. |
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| b) aus der "Historia von D. Johann Fausten"
(1587) |
| anonym veröffentlichtes Volksbuch |
in heutigem Deutsch: |
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Wie sich gemeldter Ritter
an D. Fausto wider rechen wolte / jhme aber mißlunge.

Doctor Faustus name seinen Abschiedt wider von Hofe / da jhme beneben
der Keyserlichen / vnnd anderer mehr Schanckungen / aller guter Willen
bewiesen worden / als er nuhn auff anderhalb Meyl wegs gereiset /
nimpt er siben Pferdt / in einem Wald haltend / gewahr / die auff
jn streiffeten / Es war aber der Ritter / dem die Abentheuwr mit dem
Hirschgewicht zu Hof widerfahren war / diese erkannten D. Faustum
/ darumb eyleten sie mit Spohrenstreichen / vnnd auffgezogenen Hanen
auff jhn zu / Doctor Faustus nimpt solches wahr / thut sich in ein
Höltzlein hinein / vnnd rennet baldt widerumb auff sie herauß
/ alsbaldt nemmen sie acht / daß das gantze Höltzlein voller
Geharrnischten Reuter war / auff sie dar rennten / derhalben das Fersen
Gelt gehen müßten / wurden aber nichts desto weniger auffgehalten
vnd vmbringet / derhalben sie D. Faustum vmb gnad batten / [....]
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Wie
sich der erwähnte Ritter an Doktor Faustus rächen wollte,
ihm dieses aber mißlang

Doktor Faustus nahm wieder seinen Abschied vom Hof, wo ihm neben kaiserlichen
und anderen Schenkungen viel guter Wille zuteil geworden war. Als
er nun schon anderthalb Meilen des Weges gereist war, nahm er sieben
in einem Wald stehende Pferde wahr, die ihm auflauerten. Es war aber
der Ritter (dabei), dem bei Hofe das Abenteuer mit dem Hirschgeweih
widerfahren war. Diese (die Reiter) erkannten Doktor Faustus, darum
eilten sie, indem sie ihren Pferden die Sporen gaben, mit Pistolen
im Anschlag auf ihn zu. Dr. Faustus nahm das wahr, versteckte sich
in einem Wäldchen und brach dann wieder daraus hervor, direkt
auf sie zu. Sofort bemerkten sie, daß das ganze Wäldchen
voller geharnischter Reiter war. Darauf gaben sie Fersengeld und rannten
davon, wurden aber trotzdem aufgehalten und umringt. So mußten
sie Dr. Faustus um Gnade bitten. |
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| c) aus dem "Buch von der deutschen Poeterey"
(1624) |
| von Martin Opitz (1597 - 1639) |
in heutigem Deutsch: |
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| Es verwundert mich hefftig
daß / da sonst wir Teutschen keiner Nation an Kunst und Geschickligkeit
bevor geben / doch biß jetzund niemandt under uns gefunden worden
/ so der Poesie in unserer Muttersprach sich mit einem rechten fleiß
und eifer angemasset [....] Wir Teutschen allein undanckbar gegen
unserm Lande / undanckbar gegen unserer alten Sprache / haben ihr
noch zur Zeit die Ehr nicht angethan / daß die angenehme Poesie
auch durch sie hette reden mögen. Und weren nicht etliche wenig
Bücher vor vilen hundert Jahren in Teutschen reimen geschrieben
/ mir zu handen kommen / dörffte ich zweiffeln / ob jemahls dergleichen
bey uns ublich gewesen. Dann was ins gemein von jetzigen Versen herumb
getragen wirdt / weiß ich warlich nicht / ob es mehr unserer
Sprache zu Ehren als schanden angezogen werden könne. |
Es
wundert mich sehr, daß unter uns Deutschen, die wir sonst in
Kunst und Geschicklichkeit keinem Volk nachstehen, doch bis jetzt
niemand gefunden worden ist, der sich der Dichtung in unserer Muttersprache
mit rechtem Fleiß und Eifer angenommen hätte. [...] Undankbar,
wie wir gegen unser Land und gegen unsere alte Sprache sind, haben
wir ihr bis heute nicht die Ehre angetan, schöne Poesie auch
durch sie sprechen zu lassen. Und wären mir nicht einige wenige
Bücher in die Hände gefallen, die vor vielen hundert Jahren
in deutschen Reimen geschrieben wurden, so müßte ich zweifeln,
ob so etwas (wie Literatur) jemals bei uns zu Hause gewesen wäre.
Denn was zur Zeit an Versen herumgereicht wird ich weiß
wirklich nicht, ob es unserer Sprache nicht mehr zur Schande als zur
Ehre gereicht. |
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28. Lëtzebuergesch (Luxemburgisch)
aus einer Veröffentlichung des Straßburger Europaparlaments
(2002) |
| Internetseite über die Sprachen der
Europäischen Union |
Übersetzung: |
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| Zanter 1984 ass Lëtzebuergesch
d'Nationalsprooch vun de Lëtzebuerger, ganz offiziell. [...]
Lëtzebuergesch gëtt hautgesdags als eegestänneg Sprooch
betruecht. Hir Basis ass d'Muselfränkescht als Deel vum mëtteldäitsche
Sproochraum. Eelstent literarescht Sproochmonument ass d'Yolanda-Dichtong
am Codex Mariendalensis aus der Zäit ëm 1290. Duerch seng
peripher Lag vis-à-vis vum däitsche Sproochgebitt an d'Assimilatioun
vun e sëlleche franséische Wieder huet d'Lëtzebuergescht
am Verglach mat bannendäitschen Dialekter eng eegen Entwécklong
matgemaach, déi sech och haut nach confirméiert. [...]
An der Zäit konnt ee Lëtzebuergesch définéieren
als déi vun de Lëtzebuerger ënnertenee geschwate
familiär Sprooch. Haut dogéint ass et ëmmer méi
och eng geschriwwe Sprooch an allen denkbare Beräicher. |
Seit
1984 ist Luxemburgisch die Nationalsprache der Luxemburger, ganz offiziell.
[...] Luxemburgisch wird heutzutage als eigenständige Sprache
betrachtet. Ihre Grundlage ist Moselfränkisch als Teil vom mitteldeutschen
Sprachraum. Das älteste literarische Sprachdenkmal ist die Jolanda-Dichtung
im Codex Mariendalensis aus der Zeit um 1290. Durch seine periphäre
Lage am Rande des deutschen Sprachgebiets und durch die Adaption vieler
französischer Wörter hat das Luxemburgische im Vergleich
mit innerdeutschen Dialekten eine eigene Entwicklung durchgemacht,
die sich auch heute noch weiter durchsetzt. [...] In der (früheren)
Zeit konnte man Luxemburgisch als die von den Luxemburgern untereinander
gesprochene Umgangssprache definieren. Heutzutage ist es immer mehr
auch eine geschriebene Sprache in allen denkbaren Bereichen. |
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29. Altjiddisch (1250
1700)
aus der "Fabel vom alten Löwen" (13. Jahrhundert) |
| Handschrift des Schreibers Abraham (1382) |
Übersetzung: |
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Eyn bozer lev moelikh der vart krank,
gros yomer das er rank.
di tir shouten zin gros not,
ob er lebt oder ver tot.
der hirts trat im in den munt.
darnokh kam eyn groser hunt
un beys in zer in den nak,
da er in grosen noten lak.
eyn okhs kam mit gantser lust
un shtis in shvind an zin brust.
eyn fukhs kam gedrungen
un beys in in di tsungen.
eyn han klukt im in di ougen,
ofenbor un tougen.
eyn fert shluk in mit leken,
das begund in zer arshreken.
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Ein böser Löwe einst, der wurde
krank,
(es war) ein großer Jammer, mit dem er rang.
Die Tiere schauten (sahen) seine große Not,
ob er lebte oder tot wäre.
Der Hirsch trat ihm in den Mund.
Danach kam ein großer Hund
und biß ihm sehr (böse, heftig) in den Nacken,
wie er da in großen Nöten lag.
Ein Ochse kam mit ganzer Lust
und stieß ihm geschwind an seine Brust.
Ein Fuchs kam (herbei-) gedrängt
und biß ihm in die Zunge.
Ein Hahn pickte ihm in die Augen,
ganz offen, ohne sich zu verstecken (tougen "verbergen").
Ein Pferd schlug ihn mit den Beinen (?),
das begann, ihn sehr zu erschrecken.
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30. Neujiddisch (1700
heute)
traditionenelles jiddisches Lied |
| "Das Brünnele" |
Übersetzung: |
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Dort baim Brinnele schtait
a Jingele,
halt a Blimele in spielt sech schain.
Farbai is gekimmen a schain Maidele
mit a Krigele ganz allain.
Er gait zi in sugt ihr: "Git Morgen!
Far Bengschaft bin ijech schoin dill!
Derfar well ich dir sehn zi basorgen:
Dus Krigele soll sain fill!"
Fin dem Jingel a Mann mit Juren,
fin dem Maidele a Madam
in fin dem Krigele a schain Schtibele
Fin dem Blimel a Liebe flammt.
Er gait zi in sugt ihr: "Git Morgen!
Far Bengschaft bin ijech schoin dill!
Derfar well ich dir sehn zi basorgen:
Dus Schtibele soll sain fill!"
|
Dort
beim Brünnlein steht ein Jüngelchen
hält ein Blümlein, spielt so schön.
Vorbei ist gekommen ein schönes Mädchen
mit einem Krüglein, ganz allein.
Er geht hin und sagt ihr: "Guten Morgen!
Vor Sehnsucht bin ich schon verrückt!
Dafür (darum) will ich sehen, dir zu besorgen,
daß das Krüglein voll sein soll!"
Aus dem Jungen (wurde) ein Mann mit den Jahren,
aus dem Mädchen eine Madame.
Und aus dem Krüglein ein schönes Stübchen,
aus dem Blümlein entflammte eine Liebe.
Er geht zu ihr und sagt: Guten Morgen!
Vor Sehnsucht bin ich schon verrückt!
Dafür (darum) will ich sehen, dir zu besorgen,
daß das Stübchen voll sein soll. |
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31. Afrikaans (heutiger
Sprachzustand)
aus einer geschichtlichen Darstellung der Burenkriege |
| Textauszug von einer südafrikanischen
Internetseite |
Übersetzung: |
|
Onder Kitchener, Milner
en Roberts is meer as 60 000 huise en plase van Boeremense geplunder
en afgebrand. Die Boere se diere is op die wreedse maniere denkbaar
doodgemaak terwyl die vroue en kinders, wie se mans op kommando was,
hulpeloos moes toekyk. Die doel van hierdie optrede was om die plase
te verwoes sodat die vegtende burgers geen voedsel kon kry nie, en
om die Boere te demoraliseer deurdat hulle vrouens en kinders haweloos
op die afgebrande veld gelaat is.
Engeland het hom egter met die staal van die Boerevolk misreken. Die
vrouens en kinders het, ten spyte van die haglike toestande, in die
veld oorleef en die burgers het aangehou veg. Erger maatreëls
moes getref word. Die Engelse het die Boerevroue en -kinders soos
diere op oop veetrokke of te voet na konsentrasiekampe aangejaag.
|
Unter
Kitchener, Milner und Roberts sind mehr als 60.000 Häuser und
Plätze (Höfe) von Burenmenschen geplündert und abgebrannt
worden. Die Tiere der Buren sind auf die grausamste Weise getötet
worden, während die Frauen und Kinder, da ihre Männer in
der Armee waren, hilflos zugucken mußten. Der Zweck dieser Auftritte
(Ausschreitungen) war, die Höfe zu verwüsten, so daß
die fechtenden (kämpfenden) Bürger keine Lebensmittel mehr
kriegen konnten, und die Buren zu demoralisieren, dadurch daß
ihre Frauen und Kinder besitzlos auf den abgebrannten Feldern zurückgelassen
wurden. England hatte sich jedoch mit der Stärke des Burenvolkes
verrechnet. Die Frauen und Kinder haben, trotz der furchtbaren Zustände,
die (abgebrannten) Felder überlebt, und die Bürger haben
anhaltend (weiter-) gekämpft. Ärgere (schlimmere) Maßregeln
mußten getroffen werden. Die Engländer haben die Frauen
und Kinder der Buren wie Tiere auf Viehtransporter oder zu Fuß
in Konzentrationslager gejagt. |
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