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Aus
dem "Kurzen Katechismus für deutsche Soldaten", 1812
Es waren
in der alten Zeit giftige Tyrannen und Despoten, welche die Freiheit
und Herrlichkeit großer Städte und Länder unterdrückt
und geschändet hatten. Diese glaubten sich vor ihren eigenen
Landsleuten nicht sicher und machten sich ein Heer und eine Leibwache
und bezahlten sie mit den Gütern, die sie von ihrem Volke raubten.
Und auch Bonaparte macht es so, weil er ein Tyrann ist.
[....] Könige und Fürsten hat Gott gesetzt und ihnen das
Schwert und Zepter in die Hand gegeben, daß sie die Gerechtigkeit
verwalten, ihr Volk beschirmen und schützen, fremde Feinde
von ihm abtreiben und für ihr Vaterland bis in den Tod stehen
und streiten sollen. Herren, welche so regieren, sollen heilig und
unverletzlich gehalten werden. Wenn aber ein Fürst anders tut,
als wofür Gott ihn eingesetzt hat, so muß der Soldat
und Christ Gott mehr gehorchen als den Menschen. Denn wenn ein Fürst
seinen Soldaten beföhle, Gewalt zu üben gegen die Unschuld
und das Recht; wenn er sie gebrauchte, das Glück und die Freiheit
ihrer Mitbürger zu zerstören; wenn er sie den Feinden
des Vaterlandes gegen das Vaterland zu Hilfe schickte; wenn er durch
sie seine eigenen Landsleute plündern, verheeren, bekämpfen
ließe, müßten sie nimmer gehorchen. Denn auch ein
König und Fürst, darf nimmer tun noch befehlen, was in
aller Ewigkeit Unrecht bleibt.
[....] Das ist die wahre Soldatenehre, daß kein König
und Fürst, keine Gewalt noch Herrschaft den edlen und freien
Mann zwingen kann, das Schändliche oder Unrechte zu tun oder
tun zu helfen. Das ist die deutsche Soldatenehre, daß der
brave Krieger dem Könige oder Fürsten, der ihm zu gebieten
wagt, für die Franzosen und ihren Despoten und gegen die Freiheit
und Ehre ihres Landes zu fechten, den Degen im Angesicht zerbreche.
Das ist deutsche Soldatenehre, daß der Soldat fühlt:
er war ein deutscher Mensch, ehe er von deutschen Königen und
Fürsten wußte: es war ein deutsches Land, ehe Könige
und Fürsten waren; daß er es tief und inniglich fühlt:
das Land und das Volk sollen unsterblich und ewig sein, aber die
Herren und Fürsten mit ihren Ehren und Schanden sind vergänglich.
[....] Der Soldat hat die Waffen angezogen, daß er sein Vaterland
und seine Ehre verteidige, seine Eltern, Weiber und Kinder beschirme
und den übermütigen und treulosen Feind, der sein Land
bedrohet und angreift, zurücktreibe. Denn kein Soldat soll
im Kriege reich werden an Silber und Gold, an Wollust und Schwelgerei,
sondern Ehre und Gerechtigkeit sollen sein Lohn sein. Der Krieg
ist eine heilige Arbeit, daß die Freiheit gerettet werde,
er soll kein Gewinn sein, wodurch der Krieger dem Räuber gleich
wird.
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