Sohn eines Kleinfarmers; Selbststudium der Rechte, Zulassung als Anwalt. Lincoln gilt, gleichrangig mit dem Staatsgründer Washington und noch vor Jefferson und den beiden Roosevelts, als einer der bedeutendsten Präsidenten der amerikanischen Geschichte. Der Hauptteil dieses Ruhms ist der Tatsache zu verdanken, daß er sich im Amt befand, als die Nation an ihrem wichtigsten Scheideweg stand: vor der Entscheidung nämlich, ob sich in der Sklavenfrage der Norden oder der Süden durchsetzen werde.
Obwohl Lincoln vorgab, kein radikaler Abolitionist zu sein, und er den Bürgerkrieg zunächst scheinbar nicht mit dem Vorsatz der Sklavenbefreiung führte, versetzte doch allein seine Wahl den Süden derart unter Zugzwang, daß zuerst South Carolina, bis zur Amtseinführung dann nach und nach fast alle Südstaaten aus der Union austraten. Tatsächlich ist davon auszugehen, daß es ihm mehr um den Schutz wirtschaftlicher Interessen des Nordens als eigentlich um die Befreiung von Negersklaven ging: Im Wahlkampf stellte er wissentlich die falsche Behauptung auf, der Süden plane, die Sklaverei nach Norden auszudehnen, und heizte den Streit damit beträchtlich an. Als er sich 1863 entschloß, die Befreiung als zentrales Kriegsziel zu deklarieren, nahm er diejenigen Sklavenhalterstaaten, die in der Union verblieben waren (Maryland, Delaware), von dem Befreiungsversprechen aus. Zu dieser Handlungsweise paßt Lincolns eigenes opportunistisches Bekenntnis, er würde, wenn es denn den Bestand der staatlichen Einheit sichern würde, darauf verzichten, auch nur einen einzigen Sklaven zu befreien. Gleichzeitig waren es aber seine Drohungen und seine Weigerung, auf Buchanans Schlichtungsversuche einzugehen, die den Süden in die Konföderation und in den Unabhängigkeitskrieg getrieben hatten.
Vor dem Hintergrund solcher politischen Winkelzüge muß auch Lincolns Ansprache nach der Schlacht von Gettysburg (1863) verstanden werden, die bei aller Kürze wohl die berühmteste Volksrede der amerikanischen Geschichte werden sollte:
„Vor 87 Jahren gründeten unsere Väter auf diesem Kontinent eine neue Nation, empfangen in Freiheit und dem Grundsatz geweiht, daß alle Menschen gleich erschaffen sind. Nun stehen wir in einem großen Bürgerkrieg, der eine Prüfung ist dafür, ob diese Nation oder irgendeine dergestalt empfangene und auf den gleichen Grundsätzen beruhende Nation Bestand haben kann. Wir haben uns hier auf einem der großen Schlachtfelder dieses Krieges versammelt. Wir sind gekommen, einen Teil dieses Feldes zur ewigen Ruhestätte für jene zu weihen, die ihr Leben dafür gaben, daß diese Nation leben möge. Es ist nur recht und billig, daß wir dies tun. Doch in einem weiteren Sinn können wir diesen Boden nicht weihen, können wir ihn nicht einsegnen, können wir ihn nicht heiligen. Die tapferen Männer, Überlebende und Tote, die hier kämpften, haben ihn weit mehr geweiht, als daß wir mit unserer schwachen Kraft etwas verringern oder hinzufügen könnten. Die Welt wird sicher kaum Notiz nehmen von dem, was hier gesagt wird, und sie wird sich gewiß nicht lange daran erinnern, aber sie wird nie vergessen, was diese Männer getan haben. An uns, den Lebenden, ist es vielmehr, uns dem unvollendete Werk zu weihen, das diese Männer so trefflich vorangetrieben haben. An uns ist es, uns der großen Aufgabe zu weihen, die noch vor uns liegt, und von diesen verehrten Toten zu lernen, uns noch stärker der Sache zu widmen, für die sie alles gegeben haben. Wir wollen hier den unerschütterlichen Beschluß fassen, daß ihr Tod nicht umsonst gewesen sein soll, daß diese Nation mit Gottes Hilfe eine Neugeburt der Freiheit erleben soll, und daß die Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk, nicht von der Erde verschwinden soll.“
Die Wende des Krieges zu Ungunsten der Konföderierten Staaten rettete dem Bürgerkriegspräsidenten 1864 die fast schon für unmöglich gehaltene Wiederwahl. Einen Monat nach dem zweiten Amtantritt und wenige Tage nach der bedingungslosen Kapitulation des Südens wurde Abraham Lincoln während eines Theaterbesuchs von einem Südstaatler erschossen. Es war das erste Mal, daß ein amerikanischer Präsident ermordet wurde.
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16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika | |||||
| Regierungszeit: | 1861 1865 (ermordet) | ||||
| Parteizugehörigkeit: | Republikaner | ||||
| Heimatstaat: | Kentucky (Südstaat) | ||||
| Haltung zur Sklaverei: | contra | ||||
Sohn eines Kleinfarmers; Selbststudium der Rechte, Zulassung als Anwalt. Lincoln gilt, gleichrangig mit dem Staatsgründer Washington und noch vor Jefferson und den beiden Roosevelts, als einer der bedeutendsten Präsidenten der amerikanischen Geschichte. Der Hauptteil dieses Ruhms ist der Tatsache zu verdanken, daß er sich im Amt befand, als die Nation an ihrem wichtigsten Scheideweg stand: vor der Entscheidung nämlich, ob sich in der Sklavenfrage der Norden oder der Süden durchsetzen werde. Obwohl Lincoln vorgab, kein radikaler Abolitionist zu sein, und er den Bürgerkrieg zunächst scheinbar nicht mit dem Vorsatz der Sklavenbefreiung führte, versetzte doch allein seine Wahl den Süden derart unter Zugzwang, daß zuerst South Carolina, bis zur Amtseinführung dann nach und nach fast alle Südstaaten aus der Union austraten. Tatsächlich ist davon auszugehen, daß es ihm mehr um den Schutz wirtschaftlicher Interessen des Nordens als eigentlich um die Befreiung von Negersklaven ging: Im Wahlkampf stellte er wissentlich die falsche Behauptung auf, der Süden plane, die Sklaverei nach Norden auszudehnen, und heizte den Streit damit beträchtlich an. Als er sich 1863 entschloß, die Befreiung als zentrales Kriegsziel zu deklarieren, nahm er diejenigen Sklavenhalterstaaten, die in der Union verblieben waren (Maryland, Delaware), von dem Befreiungsversprechen aus. Zu dieser Handlungsweise paßt Lincolns eigenes opportunistisches Bekenntnis, er würde, wenn es denn den Bestand der staatlichen Einheit sichern würde, darauf verzichten, auch nur einen einzigen Sklaven zu befreien. Gleichzeitig waren es aber seine Drohungen und seine Weigerung, auf Buchanans Schlichtungsversuche einzugehen, die den Süden in die Konföderation und in den Unabhängigkeitskrieg getrieben hatten. Vor dem Hintergrund solcher politischen Winkelzüge muß auch Lincolns Ansprache nach der Schlacht von Gettysburg (1863) verstanden werden, die bei aller Kürze wohl die berühmteste Volksrede der amerikanischen Geschichte werden sollte: Die Wende des Krieges zu Ungunsten der Konföderierten Staaten rettete dem Bürgerkriegspräsidenten 1864 die fast schon für unmöglich gehaltene Wiederwahl. Einen Monat nach dem zweiten Amtantritt und wenige Tage nach der bedingungslosen Kapitulation des Südens wurde Abraham Lincoln während eines Theaterbesuchs von einem Südstaatler erschossen. Es war das erste Mal, daß ein amerikanischer Präsident ermordet wurde. | |||||
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