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Mittelenglisch (1066 – 1500)
aus einer anonymen Zeitkritik (15. Jahrhundert)
"On the Times", um 1450 Übersetzung:
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Now ys Yngland alle in fyght,
Moche peple of consyens lyght,
Many knyghtes, and lytyl of myght,
Many lawys, and lytylle ryqht;
Many actes of parlament,
And few kept wyth tru entent;
Lytylle charyté and fayne to plese;
Many a galant penyles,
And many a wondurfulle dysgyzyng
By umprudent and myssavysyng;
Grete countenanse and smalle wages,
Many gentillemen and few pages;
Wele besene and strong thevys
Moch bost of there clothys,
But wele I wot they lake none othys.

Nun ist ganz England im Kampf,
viele Menschen von leicht (-fertigem) Gewissen,
viele Ritter, und wenig Macht,
viele Gesetze, und wenig Recht.
Viele Verordnungen des Parlaments,
und wenige eingehalten mit ehrlicher Achtung;
wenig Wohltätigkeit und guter Wille zu gefallen,
viel Ritterliches ohne Geld,
und viel wundervolle Verstellung
durch Unüberlegtheit und schlechter Beratung.
Große Haltung und kleine Löhne,
viele edle Herren und wenige Pagen;
Wohl angesehene und starke Diebe,
viel Angeberei mit der Kleidung,
wohl aber wußte ich, daß ihnen Eide nicht fehlen (d.h. daß
ihnen Schwüre nichts bedeuten).

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Anmerkung zu den Übersetzungen:
Die Übersetzer waren bemüht, bei allen Texten so nah wie eben möglich am Original zu bleiben, d.h. auch – soweit dabei die Verständlichkeit der neuhochdeutschen Übertragung gewahrt bleiben konnte – den Wortlaut und die Wortstellung möglichst genau einzuhalten, um die Verwandtschaft des Wortschatzes und der Strukturen durchsichtig zu machen. Wir wissen wohl, daß es in modernen Bibeln "Führe uns nicht in Versuchung" heißt. Wenn aber in nordischen oder englischen Texten "leið" bzw. "lead" steht, schien uns die Übersetzung mit "leiten" erhellender zu sein. Es ging hier nicht darum, "schönes" Hochdeutsch zu schreiben oder Übersetzungskonventionen einzuhalten. Wo der nhd. Textsinn dadurch unklar werden konnte, sind Erläuterungen bzw. hinzuzudenkende Wörter in Klammern angeführt. Für Hinweise auf eventuelle Übersetzungsfehler sind wir jederzeit dankbar. Bitte hier klicken, um Mitteilung zu machen.

Hinweise zum leichteren Verständnis der Originaltexte:
Akzente auf Vokalen bedeuten, daß die jeweilige Silbe den Hauptton des Wortes trägt. Ein "Dach" (^) zeigt an, daß dieser Vokal lang zu sprechen ist; æ steht für den deutschen Umlaut ä, ø und œ für deutsches ö, skandinavisches å für einen offenen o-Laut (mit gerundeten Lippen). Das Thorn (groß Þ, klein þ) repräsentiert den stimmlosen englischen th-Laut (z.B. in "death"), ð stimmhaftes th wie in "that". In mehreren mittelalterlichen Texten ist u an manchen Stellen als u, an anderen als v zu lesen; entsprechend steht uu sehr oft, wie im englischen Buchstaben-Namen "double-U" noch erhalten, für das heutige w. Der letzte Hinweis gilt besonders für die altdeutschen und altniederländischen Texte.

 

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